Allgemeine Nutzungsbedingungen

Allgemeine Nutzungsbedingungen der Internet-Seite „www.bondinvest.eu“

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Wissenswert.

Aktuelle Meldungen

19/05/20
Fidelity sieht historisch extrem günstige Bewertung von Unternehmensanleihen

Stuart Rumble, Investmentdirektor Multi Asset bei Fidelity International, sieht historisch extrem günstige Bewertungen für Unternehmensanleihen. Die Eckpunkte seiner Analyse:

Kurzfristige Volatilität: Die Erholung der Kapitalmärkte geht mit einigen Unwägbarkeiten einher. Die sich global abzeichnende Rezession und mögliche Enttäuschungen bei Unternehmensgewinnen können in den nächsten Monaten durchaus für Schwankungen sorgen.

Langfristig günstige Bewertungen: Investoren mit einem längeren Anlagehorizont, sollten ihr Augenmerk auf die Bewertungen legen. Diese liegen in den meisten Regionen nach wie vor unter dem langfristigen Durchschnitt. Einen Blick wert sind vor allem Titel, die eine Sicherheitsmarge bieten und so ein gewisses Maß an Ertragsvolatilität zulassen.

Historisch extrem günstige Bewertung von Unternehmensanleihen: Die Verwerfungen der letzten Monate haben nicht alle Anlageklassen gleichermaßen getroffen. Interessant ist, dass sowohl Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating als auch High-Yield-Papiere unter dem 20. Perzentil ihrer historischen Bandbreite notieren. Sie bieten Chancen für Anleger, die die relative Sicherheit der Erträge zu erhöhen möchten, ohne maßgeblich auf Rendite zu verzichten.

www.fixed-income.org
Grafik:
© Fidelity

Quelle: fixed-income.org – Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.

19/05/20
COVID-19: Werden die Anleihemärkte für Unternehmen nach wie vor offen bleiben?

Die COVID-19-Krise hat deutlich gemacht, wie fragil die Liquidität am Anleihemarkt in Zeiten wirklicher Belastung sein kann. Colin Purdie, Chief Investment Officer, Credit bei Aviva Investors, erörtert die Implikationen für globale Anleihemärkte.

Die COVID-19-Pandemie hat alles verändert: Sie löste einen Abverkauf von Vermögenswerten aus, der durch einen strukturellen Liquiditätsmangel an den Märkten für Unternehmensanleihen noch verschärft wurde; ein Thema, das vielen Anlegern seit der weltweiten Finanzkrise Sorgen bereitet hat.

Die Verwerfungen bei Anleihen wurden von mehreren Faktoren getragen. Da sich die Anleger bereits der späten Phase des Zyklus bewusst waren, machten sie sich schnell Sorgen bezüglich der wirtschaftlichen Auswirkungen von COVID-19 auf den Verschuldungsgrad und freien Cashflow der Unternehmen sowie deren Fähigkeit, weiterhin ihre Schulden abzuzahlen. Dies galt insbesondere für die Unternehmen, die bereits einen hohen Verschuldungsgrad aufwiesen. Es führte zu einer erheblichen Ausweitung der Credit Spreads, da sich die Anleger bemühten, ihr Risiko zu reduzieren. Zu viele Anleger wollten gleichzeitig Positionen verkaufen, sodass nicht genügend Kapazitäten zur Verfügung standen, um diese Verkäufe in geordneter Weise zu ermöglichen.

Das zwangsläufige Ergebnis: Liquiditätsengpässe und irrationales Verhalten. Bei einem Abverkauf würden wir typischerweise erwarten, dass Vermögenswerte über die gesamte Zinskurve und das gesamte Qualitätsspektrum hinweg verkauft werden. In diesem Fall verkauften die Anleger jedoch, was sie konnten, und nicht das, was sie eigentlich verkaufen wollten. Das vordere Ende der US-Investment-Grade-Kurve wies eine dramatische Underperformance auf, da die Anleger durch den Verkauf von kurzfristigeren Anleihen geringere Verluste in Form einiger Basispunkte erlitten. Dies wiederum löste weitere Panik und Verkäufe aus, die durch die mangelnde Liquidität auf dem Markt noch verstärkt wurden.

Die politischen Maßnahmen sind förderlich

Als Reaktion auf die Krise kündigten die Zentralbanken die Wiederaufnahme von Programmen zum Kauf von Vermögenswerten, einschließlich Unternehmensanleihen, und Maßnahmen wie Backstops an, um die Investmentbanken zu ermutigen, ihre Rolle als Market Maker wahrzunehmen.

Eine solche Unterstützung ist in gewisser Weise ein zweischneidiges Schwert. Einerseits mag das Vertrauen der Marktteilnehmer in die Intervention der Zentralbanken in turbulenten Zeiten zu einem Unternehmensverhalten beigetragen haben, das die finanzielle Hebelwirkung erhöht hat. Andererseits kann die Unterstützung durch die Zentralbanken und die Fiskalbehörden einen psychologischen Nutzen haben – Anleger wollen oft nur in stressigen Zeiten beruhigt werden.

Der März war hinsichtlich Anleiheemissionen ein Rekordmonat. Auch wenn dies angesichts der Ungewissheit, wie lange die Krise dauern wird und welche wirtschaftlichen Auswirkungen sie letztendlich mit sich bringt, paradox erscheinen mag, so war der anfängliche Abverkauf möglicherweise doch zu groß und viele traditionelle und nicht traditionelle Käufer traten mit einem Mal zurück. Die entscheidende Frage ist nun, ob das so weitergehen kann.

Wir gehen zwar davon aus, dass am unteren Ende des Qualitätsspektrums eine Rekordsumme an Schuldtiteln von Investment Grade auf High Yield herabgestuft werden. Auch die Entscheidung der Fed, ihr Mandat zu erweitern und kürzlich zurückgestufte und sogenannte Fallen Angels zu kaufen, wird stärkere High-Yield-Emittenten unterstützen. Dennoch sollten sich die Anleger auf mehr Volatilität, Herabstufungen und Ausfälle einstellen.

Anleger müssen selektiv vorgehen

Trotz der Marktrally wurden im März zahlreiche Schuldtitel von den großen Kreditratingagenturen herabgestuft oder auf „watch negative“ bzw. „negative outlook“ gesetzt. Die signifikantesten Rating-Bewegungen waren in den am stärksten betroffenen Sektoren zu beobachten – Energie und zyklische Konsumgüter, Reisen und Freizeit, wo nur sehr wenige Fluggesellschaften und Flughäfen davon unberührt blieben.

In solch einem Umfeld ist es unabdingbar, einen ausgewogenen Ansatz für Anleiheportfolios beizubehalten, immer etwas „trockenes Pulver“ zur Verfügung zu haben und bereit zu sein, Gelegenheiten zu ergreifen, wenn sie sich ergeben.

Sowohl im Investment-Grade- als auch im High-Yield-Bereich bieten Sektoren wie Gesundheitswesen, Pharmaindustrie, Telekommunikation und Kabel-TV-Anbieter Anlagegelegenheiten. In einer Zeit, in der alle gezwungen sind, zu Hause bleiben, wird jeder sein Mobiltelefon sowie Internet- und Kabel-TV-Verbindungen nutzen. Das Gesundheitswesen und die Pharmaindustrie wiederum üben nicht nur ihre Geschäftstätigkeit weiterhin aus, als nicht-zyklische Sektoren sind sie auch unter allen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen von entscheidender Bedeutung.

Banken mit Investment-Grade-Rating sind ebenfalls relativ attraktiv – nicht, weil sie gegen die derzeitige Krise immun sind, sondern weil sie über eine gute Kapitalausstattung verfügen und auf ein solches angespanntes Umfeld vorbereitet sind – ein positives Erbe der Finanzkrise.

Ein Ende der Volatilität ist noch nicht in Sicht

Doch selbst innerhalb der stärkeren Sektoren ist eine selektive Auswahl wichtig. Zu diesem Zeitpunkt lässt sich unmöglich abschätzen, wie schnell sich die Weltwirtschaft von einem solch exogenen Schock, wie wir ihn gerade erleben, erholen wird. Einige Bereiche werden weniger stark betroffen sein und sich am schnellsten erholen, andere wiederum werden weniger schnell wieder auf die Beine kommen. Besondere Aufmerksamkeit sollte der Psychologie des Verbraucherverhaltens gewidmet werden. Hier wird es ebenfalls einige Zeit dauern, bis sich dieses erholt hat.

Wenn der Kapitalerhalt im Fokus liegt, besteht die größte Aufgabe für Anleiheanleger darin, herauszufinden, welche Sektoren und Unternehmen die größten Ertragseinbrüche haben werden. Gleichzeitig besteht aber keinerlei Gewissheit darüber, wann sie sich wieder erholen können. Anleger können jedoch mit schlechten Nachrichten besser umgehen, wenn sie die Risiken vollständig verstehen und negative Auswirkungen abschätzen können. Um diesen Sturm zu überstehen, ist es wichtig, Unternehmen in Sektoren zu ermitteln, die ein relativ klares und stabiles Bild bezüglich ihrer Aussichten bieten.

www.fixed-income.org
Foto: Colin Purdie © Aviva Investors

Quelle: fixed-income.org – Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.

19/05/20
„Meine Sorge gilt den Anleihen in Fremdwährung und in erster Linie in den Frontier Markets“

Weder die Neuorganisation der Zulieferketten nach den Lockdowns noch eine zunehmende Polarisierung zwischen den USA und China müssten sich katastrophal auf die Weltwirtschaft auswirken, sagt Yasmine Ravaï, Portfoliomanagerin für Schwellenländer-Anleihen bei Eurizon SLJ Capital in London. Dessen ungeachtet habe die Pandemie das Ausfallrisiko von Schuldnern aus den Schwellenländern natürlich erhöht, besonders unsicher seien die Aussichten etwa für Argentinien, Ecuador, Angola, Sambia und Sri Lanka. Positiv ist sie indes für China, Malaysia und Indonesien gestimmt. Insgesamt zeigten die Märkte für Anleihen in Landeswährung dank der aggressiven Maßnahmen der Zentralbanken Anzeichen einer Stabilisierung, während mit Blick auf Schuldtitel in Fremdwährung weiter Vorsicht geboten sei.

Yasmine, nach der Coronavirus-Krise werden wahrscheinlich viele Unternehmen aus der entwickelten Welt ihre Zulieferketten reorganisieren und vor allem die Fertigung als kritisch betrachteter Güter teils oder ganz wieder in die Heimatländer zurückholen. Wie stark wird eine solche Entwicklung die Schwellenländer-Ökonomien betreffen, die vor der Corona-Viruskrise die Rolle einer billigen Werkbank für die Welt gespielt haben?

Yasmine Ravaï: Der Globalisierungsprozess, der vor mindestens 30 Jahren mit der Schaffung der NAFTA, der EU-Integration und der Aufnahme Chinas in die Welthandelsorganisation im Jahr 2001 begann, hatte seinen „Höhepunkt“ schon lange vor der Coronavirus-Krise erreicht. Der Grund dafür war, dass die ungebremste Globalisierung zu zahlreichen wirtschaftlichen, finanziellen, sozialen und politischen Ungleichgewichten geführt hatte, weshalb Volkswirtschaften wie die der USA, Japans, Deutschlands, Südkoreas, Italiens und vieler anderer Länder ein zunehmendes „Insourcing“ betrieben – mindestens seit dem Jahr 2012, wahrscheinlich sogar schon seit der großen Finanzkrise. Doch bis zur Coronavirus-Krise hatten sich die Weltwirtschaft im Allgemeinen und die Schwellenländer im Besonderen recht gut an diesen sich ständig verändernden globalen Markt angepasst. Dies lässt uns vergleichsweise optimistisch bleiben, auch wenn wir eine Beschleunigung dieses Trends feststellen können.

Wie sieht das für China aus?

Yasmine Ravaï: Da die chinesische Volkswirtschaft am meisten Kapital aus dem jahrzehntelangen Globalisierungstrend geschlagen hat, wird sie in einem Worst-Case-Szenario auch vor den größten Herausforderungen stehen. Wie gehen aber davon aus, dass China und andere asiatische Volkswirtschaften, die vergleichsweise technologielastig sind und keine Rohstoffe exportieren, eher widerstandsfähiger aus der Coronavirus-Krise hervorgehen werden. Selbst eine Beschleunigung der Repatriierung des verarbeitenden Gewerbes oder gar eine weitere Polarisierung zwischen den USA und China muss unserer Ansicht nach keine Katastrophe für die Weltwirtschaft sein. China verfügt über eine riesige und immer noch schnell wachsende Volkswirtschaft mit einem gewaltigen Binnenmarkt sowie einem äußerst wettbewerbsfähigen verarbeitenden Gewerbe und Dienstleistungssektor. Genau wie Android und iOS können ein starkes China und starke USA gleichzeitig und wettbewerbsfähig gedeihen. Unter dem Strich sind wir der Meinung, dass die allgemeine Verfassung der Volkswirtschaften der USA und Chinas von größerer Bedeutung für die Schwellenländer ist als eine Beschleunigung des De-Globalisierungstrends.

Während die entwickelten Länder beispiellose große Rettungspakete zur Eindämmung der Folgen der Coronavirus-Pandemie geschnürt haben, ist die Feuerkraft der Regierungen vieler Schwellenländer aufgrund der schon hohen Verschuldung vor der Krise beschränkt. Ein Ausweg wäre dem Beispiel von Federal Reserve und Europäischer Zentralbank zu folgen und groß angelegte Kaufprogramme für Anleihen zu starten. Halten Sie das für eine gute Idee und welche Zentralbanken in den Schwellenländern verfügen über entsprechende Mandate?

Yasmine Ravaï: Die sich rapide verschlechternde Risikotoleranz hat bereits einige Zentralbanken in den Schwellenländern dazu veranlasst, mit direkten Käufen von Anleihen zu beginnen. Diese zielen aber in erster Linie auf die Bereitstellung von Liquidität und die Stabilisierung des Finanzsystems ab und nicht auf eine tatsächlich quantitative Lockerung der Geldpolitik. Auf dieses neue Experiment eingelassen haben sich Kolumbien, Chile, Tschechien, Polen, Ungarn, Rumänien, Israel, Indonesien, die Philippinen und Südafrika. Brasilien könnte dem Club bald beitreten, muss aber noch auf die Zustimmung des Senats warten, da die Zentralbank kein solches Mandat hat. Generell unterscheiden sich die Details – wie das Volumen, die Dauer und die Art der erworbenen Vermögenswerte – von Land zu Land. Diese Programme waren zwar erfolgreich und haben die Liquidität an den Anleihenmärkten verbessert, sie bergen aber auch Risiken, die beobachtet werden sollten. Dazu gehören steigende Inflation – im Moment ein zugegebenermaßen wohl weit entferntes Risiko – und eine schwächere Währung, was vor allem für Länder mit einer niedrigen fiskalischen Dynamik gilt. Insgesamt scheint der Umfang der Operationen angemessen zu sein, um die fiskalische Disziplin wahren zu können.

Sie haben die Risikotoleranz erwähnt, die sich rapide verschlechtert hat. Vor diesem Hintergrund haben viele Investoren ihre Mittel aus den Schwellenländern abgezogen und in „sichere Häfen“ umgeschichtet – zu einer Zeit, in der die Regierungen dort aber dringend Geld für ihre aufgrund von Rettungspaketen gestiegenen Ausgaben benötigen würden. Wird das zu Zahlungsausfällen führen?

Yasmine Ravaï: Angesichts der Stärke des wirtschaftlichen Schocks sind Restrukturierungen von Schulden und Zahlungsausfälle nicht auszuschließen. Die Coronavirus-Pandemie hat dazu geführt, dass die Renditeaufschläge für Staatsanleihen aus den Schwellenländern auf ein seit der großen Finanzkrise nicht mehr erreichtes Niveau gestiegen sind. Darin spiegelt sich die wachsende Sorge hinsichtlich der Fähigkeit zur Rückzahlung von Verbindlichkeiten wegen des fehlenden Marktzugangs wider. Und tatsächlich dürfte die Kombination aus niedrigeren Rohstoffpreisen und der Beeinträchtigung des Wirtschaftswachstums durch sinkende Exporte die Haushalte unter Druck setzen. Die Sorge gilt dabei vor allem für die Schulden in Fremdwährung und in erster Linie für die Frontier Markets, wo die Zahl der Emittenten von Anleihen in Fremdwährungen erheblich zugenommen hat. Und noch ein anderer Grund dürfte die Bereitschaft zur Rückzahlung von Verbindlichkeiten deutlich sinken lassen: der wohl zunehmende Druck auf die Regierungen, den Ausgaben für das heimische Gesundheitssystem Vorrang einzuräumen, um die sozialen und wirtschaftlichen Folgen des Ausbruchs des Coronavirus abzufedern. Ein Beispiel dafür aus jüngster Zeit ist Ecuador, wo die Führer der politischen Parteien im Kongress eine zeitweise Aussetzung der Rückzahlung der Auslandsschulden gefordert haben. Die Regierung kündigte schließlich einen Aufschub der Zinszahlungen für Anleihen an, um mehr Mittel für das Gesundheitssystem bereitstellen zu können. Diese Sorgen gelten für die Schulden der Schwellenländer in Lokalwährungen hingegen nicht.

Welche Länder werden Ihrer Ansicht nach als erste ausfallen? Vielleicht Südafrika, das erst unlängst von Moody’s, der letzten Rating-Agentur, die das Land noch mit Investment-Grade-Bonität bewertet hatte, auf Junk-Status abgestuft wurde?

Yasmine Ravaï: Argentinien, aber auch der Libanon und Ecuador haben ja bereits Umschuldungsprozesse eingeleitet. Unter den afrikanischen Ländern befinden sich Angola und Sambia in einer schwierigen Lage. Ein hohes Risiko besteht für Sri Lanka, dessen Finanzen aufgrund niedrigerer Einnahmen aus dem Tourismus und hoher Zinszahlungen im laufenden Jahr unter großem Druck stehen. Für die größeren Schwellenländer mit begrenztem fiskalischen Spielraum wie Südafrika und Brasilien ist das Risiko eines Staatsbankrotts angesichts der vergleichsweise hohen Devisenreserven, der geringeren Abhängigkeit von Fremdwährungskrediten und der verbesserten politischen Rahmenbedingungen gering. Beide Länder müssen sich jedoch auf Schlüsselreformen konzentrieren – in Südafrika etwa das Einfrieren der Löhne für den öffentlichen Dienst, in Brasilien eine Rentenreform.

Wie haben Sie als Portfoliomanagerin auf die Coronavirus-Krise reagiert?

Yasmine Ravaï: Angesichts des weltweit zurückgegangenen Appetits der Anleger auf Risiken in den Schwellenländern haben wir die Duration des Portfolios reduziert. Trotz dieser Anpassungen haben wir eine leichte Übergewichtung von globaler Duration beibehalten, da wir erwarten, dass auch die Zentralbanken der Schwellenländer nach den gestiegenen wirtschaftlichen Risiken durch die Ausbreitung des Coronavirus ihre akkommodierende Geldpolitik beibehalten werden. Wir sind vor allem in Asien übergewichtet, konkret in China, Malaysia und Indonesien, wo wir zusätzliche geldpolitische Unterstützung erwarten. Wir halten an Mexiko, Russland und Südafrika fest, wo die Erwartungen für eine weitere Lockerung der Geldpolitik ebenfalls hoch bleiben. Wir haben auch eine kleinere Position an US-Staatsanleihen aufgebaut, um Risiken aus der ungewissen Entwicklung der Coronavirus-Pandemie abzusichern. Unsere Positionen an Fremdwährungsanleihen hatten wir angesichts des erreichten Bewertungsniveaus bereits Ende Januar liquidiert und sind seitdem aufgrund der verschlechterten Finanzierungsbedingungen und der verringerten Rückzahlungsspielräume an der Seitenlinie geblieben. Mit Blick auf die Währungen haben wir vor allem Positionen an lateinamerikanischen Währungen abgebaut, da diese sehr empfindlich auf Entwicklungen von Welthandel und Rohstoffpreisen reagieren. Besonders vorsichtig sind wir unverändert mit Blick auf den südafrikanischen Rand und die türkische Lira, die in der näheren Zukunft weiter unter Druck bleiben sollten.

Was glauben Sie – haben die Märkte für Schwellenländer-Anleihen in Fremd- und Landeswährung die Tiefs schon hinter sich?

Yasmine Ravaï: Angesichts des beispiellosen Charakters dieser Krise könnte der vor uns liegende Weg holprig sein. Der Dollar gewinnt weiter an Wert, und die Daten aus den USA und China sind unverändert sehr schwach. Der Ölpreis hat trotz vergleichsweise günstigen Schlagzeilen weiter zu kämpfen. Unterdessen erscheinen die Bewertungen jedoch attraktiv zu sein. Die Märkte für Anleihen in Landeswährung zeigen dank der aggressiven Maßnahmen der Zentralbanken Anzeichen einer Stabilisierung, während sich die Währungen der Schwellenländer uneinheitlich zeigen. Ich würde in Bezug auf die Fremdwährungsanleihen daher sehr vorsichtig bleiben und mit Blick auf Schuldtitel in Landeswährung empfehlen, sich durch aktive Fonds schrittweise in den lokalen Märkten zu engagieren, da Differenzierung und aktives Währungsmanagement unter den gegenwärtigen Umständen von entscheidender Bedeutung sind.

https://www.fixed-income.org/
Foto: Yasmine Ravai
© Eurizon SLJ Capital
Yasmine Ravai ist seit Februar 2017 Senior Portfolio Manager bei Eurizon SLJ in London und betreut Emerging Market Fixed Income- und FX Funds. Zuvor war sie für Amundi tätig, wo sie die Position des Head of Global Fixed Income/Emerging Markets Funds innehatte. Yasmine studierte an der Dauphine University, Paris, wo sie ihren Abschluss in Angewandter Wirtschaft und Finanzen machte, und erwarb ihren Master-Abschluss im Finanzwesen.

Quelle: fixed-income.org – Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.

19/05/20
St.Galler Kantonalbank Deutschland: Kurspotenzial scheint ausgereizt

Das verblüffendste an der Kursentwicklung der Aktienmärkte der vergangenen Woche war, dass auf Verkaufssignale kein weiterer Abwärtsdruck gefolgt ist. Die Marktteilnehmer sind extrem vorsichtig, was sich an dem sprunghaften Anstieg des V-DAX in der vergangenen Woche ablesen lässt. Dabei war der Einbruch im Sentiment nur von einem vergleichsweise kleinen Kursrutsch begleitet. Es hat sich eine so stark negative Stimmung festgesetzt, dass kein größerer erneuter Abwärtstrend zugelassen wird. Dies scheint den Markt vorerst stabilisiert zu haben.

Denn der breitere Blick auf die Märkte ist erst einmal unverändert. Die positiven Nachrichten, wie zum Beispiel die Hilfspakete der Regierungen, die unbegrenzte Liquidität der Notenbanken, die Hoffnung auf ein schnelles Wiederhochfahren der Märkte und die Vermeidung einer zweiten Pandemie-Welle sind mit der Rallye im Anschluss an die Tiefststände der Märkte im März bereits eingepreist.

Für die nächste Zeit sind eher weitere schlechtere Nachrichten zu erwarten. Die Industrie wird katastrophale Zahlen für das laufende 2. Quartal liefern, Fed-Präsident Jerome Powell warnt vor einer tiefen Rezession. Wäre das noch nicht bedenklich genug, hat das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Zulässigkeit der Anleihekäufe der EZB für weitere Unsicherheit gesorgt. Die Folgen dieses Urteils können besonders heikel sein, weil es politische und juristische Implikationen hat.

Dazu kommt, dass die Charttechnik für die großen Aktienmärkte deutliche Warnhinweise gibt. Der MSCI World Index zum Beispiel hat eine massive Widerstandszone erreicht, der EuroStoxx 50 hat eine so genannte Schulter-Kopf-Schulter-Formation ausgebildet, was als deutlich negatives Signal gilt. Bisher haben diese Signale aber nicht zu einem Kursrutsch geführt.

Anleger brauchen also für die nächsten Wochen Durchhaltevermögen, das Kurspotenzial an den Aktienmärkten scheint erst einmal ausgereizt. Es besteht durchaus das Risiko, dass wir keine V-förmige Erholung der Wirtschaft in den großen Industrieländern sehen. Verfestigt sich diese Einschätzung, könnte das für weitere Volatilität sorgen. Für den Moment sehen wir einen Seitwärtstrend an den Märkten, dabei scheint es erst einmal zu bleiben.

https://www.fixed-income.org/
Foto: Michael Winkler
© St.Galler Kantonalbank Deutschland AG

Quelle: fixed-income.org – Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.

19/05/20
ESG kann für Unternehmen zur Lebensversicherung werden

Die Ära des Shareholder Value ist vorüber. An seine Stelle werden künftig Nachhaltigkeitsfaktoren treten. Warum die Krise eine Zäsur ist und warum ESG-Kriterien das neue Mantra der Wirtschaft werden, erläutert die Legg-Mason-Boutique Western Asset Management in einem aktuellen Marktkommentar.

Über Jahrzehnte galt für börsennotierte Unternehmen in erster Linie die Devise: Die Zahlen müssen stimmen. In jedem Quartal. Obwohl die Diskussion um verantwortungsvolle Geldanlagen seit einigen Jahren an Fahrt gewinnt und bei vielen Unternehmen bereits Spuren hinterlassen hat, liefen ESG-Faktoren bis zur Pandemie-Krise für viele Unternehmen eher in der Kategorie „nice to have“. Doch die Krise hat einiges verändert: Einerseits schob sich die Bedeutung von Unternehmen für das Gemeinwohl in den Vordergrund. Wenn Unternehmen wie BASF oder LVMH Desinfektionsmittel herstellen oder ihren guten Draht nach China dazu nutzen, um Atemschutzmasken zu organisieren, dann geht es um mehr als nur die nächsten Quartalszahlen. Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass Unternehmen eine gesellschaftliche Verantwortung haben und dieser gerecht werden sollten.

Auch hat die Pandemie-Krise bislang eindrucksvoll demonstriert, dass ESG-Kriterien alles andere als weiche Faktoren sind, die es im Geschäftsbericht auf den hinteren Seiten in blumigen Worten zu beschreiben gilt. Ganz im Gegenteil: ESG kann für Unternehmen zur Lebensversicherung werden. Die Krise hat gezeigt, dass vor allem diejenigen Gesellschaften gut durch die turbulente Marktphase kommen, die ESG-Kriterien bereits umsetzen. In den USA halfen beispielsweise Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sowie Krankenversicherungsleistungen dabei, dass sich das Virus an Arbeitsplätzen weniger schnell ausbreiten konnte. Auch haben Unternehmen profitiert, die ihren Arbeitnehmern bereits seit längerer Zeit anbieten, im Homeoffice zu arbeiten. Diese waren auf den Lockdown schlichtweg besser vorbereitet und hatten bereits eingespielte Prozesse rund um die Remotearbeit.

Dass dieser Eindruck durch Fakten untermauert werden kann, zeigt auch ein kürzlich veröffentlichter Bericht der Harvard Business School, den Professor George Serafeim gemeinsam mit Kollegen erarbeitet hat. Demnach entwickelten sich die Aktien von Unternehmen, die ESG-Faktoren bei Mitarbeitern und Zulieferern umsetzen, zwischen dem 12. Februar und dem 24. März 2020 besser. In eine ähnliche Kerbe schlagen Untersuchungen von Bloomberg oder Morningstar, die während der Krise ESG-Fonds untersucht haben.

Viele Kritiker werden nun glauben, dass dies nur ein kurzfristiger Effekt war und die Märkte spätestens dann, wenn ein Impfstoff gefunden ist, wieder in den alten Trott zurückfinden. Gleich mehrere Gründe sprechen dagegen: Zum einen hat die Krise dafür gesorgt, dass viele Unternehmen Verbesserungen rund um ESG eingeleitet haben. Diese Entwicklung dürfte sich spätestens während der nächsten Krise als gute Investition erweisen. Experten erwarten, dass das Risiko von Krisen angesichts von Klimawandel und wachsender Weltbevölkerung tendenziell eher noch zunehmen wird. Hinzu kommt, dass es trotz der Fortschritte rund um ESG noch viele Bereiche gibt, in denen sich Unternehmen besser aufstellen können: Faire Bezahlung, die Förderung von Ideenvielfalt oder mehr integrative Maßnahmen zur Gewinnung von Mitarbeitern sind nur einige davon. Neben dem Quartalsergebnis werden derartige Nachhaltigkeitsfaktoren in Zukunft zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor. Investoren tun gut daran, ESG-Kriterien schon heute in ihre Entscheidungen einfließen zu lassen.

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Foto:
© Gerd Altmann auf Pixabay

Quelle: fixed-income.org – Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.

19/05/20
Das „wahre“ Virus sind Insolvenz und Arbeitslosigkeit

Die Aktienmärkte konnten seit ihren Tiefstständen im März dieses Jahres eine Rallye von über 30 Prozent verzeichnen. Einige Sektoren, wie unter anderem Technologie, haben nahezu ihre Allzeit-Höchststände erreicht – auch Einzeltitel wie Amazon.com Inc haben neue Allzeit-Höchststände ausgebildet. Diese Entwicklung fand in einer Phase statt, in der die Weltwirtschaft den stärksten Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg verzeichnete und die Arbeitslosigkeit stieg. Der Haupttreiber für diesen starken Anstieg an den Börsen war die Zentralbankliquidität. Allein in den letzten zwei Monaten pumpten die Zentralbanken über drei Billionen US-Dollar in den Kapitalmarkt. Das führte neben der beschriebenen Hausse an den Aktienmärkten zu einer starken Beruhigung an den Unternehmensanleihemärkten. Die Risikoprämien haben sich nach der Ankündigung der Zentralbanken, verstärkt Unternehmensanleihen zu kaufen, erheblich reduziert.

Die Wirkung der Zentralbankmaßnahmen wird nachlassen

Insolvenzen und Arbeitslosigkeit werden in den nächsten Monaten die Entwicklungen an den Kapitalmärkten bestimmen, da die positiven Folgen der jüngsten massiven Liquiditätsmaßnahmen abnehmen. Diese konnten die Auswirkungen der Covid-19-Krise zwar mildern, allerdings sind die Ursachen für den starken wirtschaftlichen Einbruch weiterhin ungelöst. Unternehmen, die nicht wettbewerbsfähig sind, werden zu Zombie-Unternehmen und bleiben „Zombies“, mit oder ohne Zentralbankunterstützung. Zudem ist die Nachfrage weltweit schockartig zurückgegangen. Diese wird sich wohl nicht auf die Vorkrisen-Niveaus erholen können solange die Arbeitslosigkeit steigt.

Der Kapitalmarkt hat eine v-förmige Erholung eingepreist. Diese Erwartung wird unserer Meinung nach enttäuscht. Wir gehen von steigenden Arbeitslosenzahlen in den nächsten Monaten und einem katastrophalen zweiten Quartal mit Blick auf das Konjunkturwachstum sowie die Unternehmensdaten aus. Der Aktienmarkt ist in der Breite alles andere als günstig. Nach der starken Erholung in den letzten Wochen haben wir hohe Bewertungsniveaus erreicht, die auf dem Level von Dezember 2019 bis Februar 2020 liegen.

Do Investment erwartet Korrektur im Sommer

Wir gehen von einer Aktienmarktkorrektur von 10 bis 20 Prozent in den Sommermonaten aus. Zudem werden die Risikoprämien für Unternehmensanleihen steigen und die Höchststände aus dem März dieses Jahres erneut erreicht werden. Gold könnte unserer Auffassung nach über 1.800 US-Dollar je Unze steigen und wahrscheinlich neue Allzeit-Höchststände in US-Dollar ausbilden. Zudem werden Schwellenländer unter den Auswirkungen der Rezession stärker leiden als Industriestaaten. Aus diesem Grund haben wir unseren Aktienanteil in den vergangenen Wochen sukzessive reduziert, nachdem wir die Verwerfungen im März für Zukäufe genutzt hatten. Darüber hinaus haben wir unseren Anteil bei Unternehmensanleihen erheblich reduziert und Schwellenländeranleihen abgebaut.

Derzeit sträubt sich die Fed negative Zinsen in den USA einzuführen. Allerdings sind die Zentralbanken meist hinter den Erwartungen. Die beschriebenen Marktverwerfungen werden die Zentralbank der Vereinigten Staaten dazu zwingen, weitere Maßnahmen zu ergreifen. Wir gehen davon aus, dass sie zunächst ihre Asset-Kaufprogramme ausweiten und letztendlich die Zinsen in den negativen Bereich reduzieren wird.

Über die Do Investment AG:

Die Do Investment AG ist Teil der Unternehmensgruppe von Herrn Silvius Dornier. Eingebunden in ein einzigartiges Netzwerk und in enger Verknüpfung mit dem Family Office der Familie Silvius Dornier werden Privatpersonen, mittelständische Unternehmerfamilien, konservative Institutionen und Stiftungen ganzheitlich in allen Fragen der Vermögensplanung und des Vermögensmanagements betreut. Die Kernkompetenzen der Do Investment AG liegen neben der Strukturierung und Verwaltung von liquiden Vermögenswerten in ausgewählten Sachwertinvestments im Bereich der Agrarwirtschaft. Die Do Investment AG ist durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gemäß Kreditwesengesetz (KWG) zugelassen und unterliegt deren Aufsicht.

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Quelle: fixed-income.org – Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.

18/05/20
publity AG plant Emission der verschobenen Unternehmensanleihe bereits im Juni 2020 und stockt Emissionsvolumen auf bis zu 100 Mio. Euro auf

Die publity AG (ISIN DE0006972508) plant die Emission der im März 2020 zunächst auf den Herbst 2020 verschobenen Unternehmensanleihe bereits für Juni 2020. Zugleich hat der Vorstand am heutigen Tage beschlossen, das Emissionsvolumen auf bis zu 100 Mio. Euro aufzustocken. Hintergrund dieser Entscheidung war das Angebot des Großaktionärs und Vorstandsvorsitzenden der publity, Thomas Olek, ein Emissionsvolumen von mindestens 50 Mio. Euro über seine Beteiligungsgesellschaft TO-Holding GmbH zu garantieren. Die Anleihe soll eine Laufzeit von fünf Jahren und eine Stückelung von 1.000 Euro aufweisen. Der Kupon wird sich voraussichtlich auf 5,50% p.a. belaufen. Die Zustimmung des Aufsichtsrats steht noch aus.

Die Emission wird im Wege eines öffentlichen Angebots in Deutschland und im Großherzogtum Luxemburg auf Basis eines Wertpapierprospekts erfolgen. Das bereits im Februar 2020 eingeleitete und im März 2020 vorläufig ausgesetzte Billigungsverfahren bei der luxemburgischen Wertpapieraufsichtsbehörde Commission de Surveillance du Secteur Financier (CSSF) wird hierzu heute wieder aufgenommen. Die Schuldverschreibungen sollen zusätzlich ausgewählten Anlegern im Rahmen einer Privatplatzierung in Deutschland und anderen ausgewählten europäischen Jurisdiktionen zum Kauf angeboten werden.

Als Teil des öffentlichen Angebots ist zudem weiterhin ein Umtauschangebot vorgesehen, im Rahmen dessen die Inhaber der von der publity begebenen Wandelanleihe 2015/2020 (ISIN: DE000A169GM5) eingeladen werden, ihre Wandelschuldverschreibungen der publity zum Umtausch in Schuldverschreibungen der neuen publity-Anleihe 2020/2025 anzubieten. Die an dem Umtauschangebot teilnehmenden Anleihegläubiger werden für jede eingetauschte Wandelschuldverschreibung eine Schuldverschreibung der neuen publity-Anleihe 2020/2025 erhalten, zuzüglich einer Barzahlung, die sich aus einer Umtauschprämie (in Höhe von voraussichtlich 20,00 Euro) sowie anteiligen Stückzinsen zusammensetzt. Darüber hinaus wird ihnen ein Mehrbezug von Schuldverschreibungen der publity-Anleihe 2020/2025 angeboten werden.

Die Fristen für das Umtauschangebot, den Mehrbezug und das allgemeine öffentliche Angebot werden voraussichtlich im Juni 2020 liegen. Anschließend soll die Anleihe in den Freiverkehr (Quotation Board) der Frankfurter Wertpapierbörse einbezogen werden.

Die Emission der publity-Anleihe 2020/2025 sowie das öffentliche Angebot (einschließlich des Umtauschangebotes) werden von der ICF BANK AG Wertpapierhandelsbank begleitet.

Die Emission soll einerseits der Refinanzierung der Wandelanleihe 2015/2020 und andererseits der Stärkung der Liquiditätslage der publity Unternehmensgruppe sowie der Finanzierung ihres weiteren Wachstums dienen.

Vor dem Hintergrund der vom Großaktionär und Vorstandsvorsitzenden der publity, Thomas Olek, erklärten Garantie eines Mindestemissionsvolumens der publity-Anleihe 2020/2025 von 50 Mio. Euro wird die 5-Mio-Euro-Schwelle aus § 14 Abs. 3 der Bedingungen der Wandelanleihe 2015/2020 überschritten werden, so dass die Inhaber der Wandelanleihe 2015/2020 im Nachgang der Emission berechtigt sein werden, von der publity die Rückzahlung einzelner oder aller ihrer Schuldverschreibungen der Wandelanleihe 2015/2020 zum Nennbetrag zuzüglich bis zum Tag der Rückzahlung (ausschließlich) auf den Nennbetrag aufgelaufener und noch nicht gezahlter Zinsen nach näherer Maßgabe von § 14 Abs. 3 der Bedingungen der Wandelanleihe 2015/2020 zu verlangen.

Unabhängig davon hat die TO-Holding GmbH angekündigt, den Inhabern der von der publity begebenen Wandelanleihe 2015/2020 ihrerseits ein Angebot zur Übernahme ihrer Schuldverschreibungen der Wandelanleihe 2015/2020 zu einem Angebotspreis von 99 % des Nennbetrages zzgl. anteiliger Stückzinsen noch im Mai 2020 unterbreiten zu wollen. Das Übernahmeangebot soll eine Laufzeit bis nach Beginn des öffentlichen Angebots der publity-Anleihe 2020/2025 haben.

Die Inhaber der Wandelanleihe 2015/2020 werden daher die Möglichkeit haben, ihre Schuldverschreibungen der Wandelanleihe 2015/2020 (i) in Schuldverschreibungen der neuen publity-Anleihe 2020/2025 umzutauschen und dabei zudem die Umtauschprämie nebst anteiligen Stückzinsen zu erhalten, oder (ii) im Nachgang des öffentlichen Angebots der publity gegen Rückzahlung des Nennbetrages zzgl. aufgelaufener Zinsen anzudienen oder (iii) im Rahmen des Kaufangebots an die TO-Holding GmbH zu 99 % des Nennbetrags zzgl. anteiliger Stückzinsen zu verkaufen.

Der für das öffentliche Angebot der publity-Anleihe 2020/2025 maßgebliche Wertpapierprospekt wird nach dessen Billigung durch die CSSF auf der Website der publity (www.publity.de) in der Rubrik "Investor Relations" abrufbar sein.

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Quelle: fixed-income.org – Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.

18/05/20
Nachhaltigkeit sorgt für überragende Börsen-Performance

Die Erkenntnis, dass Unternehmen, die besonders gut in den Kriterien Umwelt, Soziales und Governance (ESG) bewertet werden, auch an der Börse outperformen, hat sich auch im vergangenen Jahr bestätigt. Seit 10 Jahren untersuchen wir den Zusammenhang zwischen ESG-Bewertung und Performance und können nachweisen, dass sich Nachhaltigkeit positiv auswirkt – und keinesfalls ein Nachteil ist, wie es manche Investoren glauben.

Im vergangenen Jahr hat das Portfolio der 40 Unternehmen, die die höchsten Bewertungen nach unserem ESG-Rating erzielen (Top 40), eine Steigerung von 39 Prozent verbucht und damit den MSCI Europe SRI, der um 30 Prozent zulegte, hinter sich gelassen. Dagegen wiesen die 40 Unternehmen mit den schlechtesten ESG-Ratings (Flop 40) für das Jahr 2019 nur einen Zuwachs von gut 20 Prozent auf.

Weiterhin konnten wir bestätigen, dass die Unternehmen, in denen alle drei ESG-Kriterien kombiniert eine hohe Bewertung aufweisen, am besten abschneiden. Betrachtet man die Kriterien einzeln, so ist der Faktor Soziales der stärkste Werttreiber. Umgekehrt wirkt sich eine schlechte Governance am stärksten negativ auf die Performance aus. Damit sehen wir uns in unserem Kurs bestätigt, uns von Unternehmen mit schlechter Governance fernzuhalten.

Als herausragende Performer – sowohl bei der ESG-Einstufung als auch an der Börse – sind im Jahr 2019 unter anderem die Unternehmen ASML und Sartorius Stedim in Erscheinung getreten. ASML, der niederländische Hersteller von Lithographiemaschinen für die Halbleiterindustrie, erzielte ein ESG-Rating von 8,1 von 10 und wies für 2019 eine Performance von 95 Prozent auf. ASML verfügt über starke Kontrollmechanismen durch ein Leitungsgremium, das sich aus unabhängigen Direktoren mit einschlägiger technischer Expertise zusammensetzt. Das Unternehmen besitzt eine starke Unternehmenskultur und die Gruppe hat sich ehrgeizige langfristige numerische Umweltziele gesetzt. Auch in Bezug auf den Lebenszyklus der Produkte schneidet ASML hervorragend ab, denn 98 Prozent der seit 1984 produzierten Maschinen sind immer noch in Betrieb.

Sartorius Stedim erreichte ein ESG-Rating von 7,6 von 10 sowie eine Performance von knapp 70 Prozent im Jahr 2019. Sartorius Stedim bietet Produkte für Biomedizin-Hersteller an, wie Filter, Membrane oder Einwegbeutel, und verfügt über eine gute Unternehmensführung. Bei den wichtigsten Umweltkennzahlen, einschließlich beim Wasserverbrauch, erzielt das Unternehmen hervorragende Ergebnisse. Auch bei der Arbeitgeberattraktivität und Mitarbeiterloyalität schneidet Sartorius Stedim sehr gut ab. Die Gruppe arbeitet an der Entwicklung von Produkten auf Basis von Biokunststoffen, um das zunehmende Abfallaufkommen, das durch ihre Produkte entsteht, auszugleichen.

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Quelle: fixed-income.org – Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.

15/05/20
BayernInvest unterstützt Green Recovery Alliance

„Green Recovery. Reboot & Reboost our economy for a sustainable future” – unter diesem Motto ruft die Green Recovery Alliance dazu auf, die Maßnahmen zur Wiederbelebung der Wirtschaft nach der Corona-Pandemie zu nutzen, um den Umbau der Wirtschaft in Richtung Klimaneutralität zu beschleunigen und den Verlust der Biodiversität zu stoppen. Auch die BayernInvest, mit rund 90 Milliarden Euro verwaltetem Volumen einer der großen Kapitalverwaltungsgesellschaften im deutschen Markt, schließt sich mit ihrer Unterschrift der aktuellen Initiative des Europäischen Parlaments an.

„Zukunftsfähige Geschäftsmodelle sind resilienter“

Der Münchner Asset Manager ist davon überzeugt, dass der Neustart der Wirtschaft die einmalige Möglichkeit bietet, Milliarden in klimafreundliche Unternehmen und Infrastrukturen zu investieren, um so die Zukunft für die nächsten Generationen zu sichern und für mehr Resilienz der Wirtschaft und Finanzmärkte zu sorgen. Unterstützt wird der Aufruf von aktuell knapp 200 Europaabgeordneten, Vertretern von Wirtschaftsverbänden und Nichtregierungsorganisationen sowie Vorstandsvorsitzenden von Unternehmen zahlreicher Branchen – darunter auch zahlreiche Vertreter des Finanzsektors.

„Wir unterstützen die Ziele der Green Recovery Alliance, die für den Wiederaufbau bereitgestellten Mittel in die Transformation der Unternehmen hin zu einer klimaverträglichen und ressourcenschonenden Wirtschaftsweise zu investieren“, begründet Alexander Mertz, Sprecher der Geschäftsführung, das Engagement der BayernInvest. „Die Entwicklungen der vergangenen Monate an den Kapitalmärkten haben einmal mehr gezeigt, dass Unternehmen mit einem in diesem Sinne zukunftsfähigen Geschäftsmodell eindeutig resilienter gegenüber Krisen, wie der Corona-Pandemie, sind. Ein grüner Wiederaufbau ist daher nicht nur ein Beitrag zur Erreichung der in Paris vereinbarten Klimaziele, sondern auch eine Investition in den Schutz vor vergleichbaren zukünftigen Krisen.“

Analyse von ESG-Aspekten als integraler Bestandteil jedes Investmentprozesses

Nachhaltiges und verantwortungsvolles Investieren steht bei der BayernInvest seit ihrer Gründung an vorderster Stelle. Das Unternehmen zählte mit zu den ersten deutschen Asset Managern, die im Jahr 2011 die UN PRI (United Nations Principles for Responsible Investment) unterzeichneten. Heute ist die Analyse von ESG-Aspekten (Environmental, Social, Governance) integraler Bestandteil jedes Investmentprozesses im Portfoliomanagement. Erklärtes Ziel ist, spätestens bis zum Jahr 2025 alle in eigener Verantwortung gemanagten Portfolien in Einklang mit dem 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens zu bringen – in Abstimmung mit den jeweiligen Anlagestrategien ihrer Kunden. Darüber hinaus entwickelt der Münchner Asset Manager auf Kundenwunsch weitere individuelle nachhaltige Investmentlösungen. Ergänzend stellt die BayernInvest auch als Unternehmen selbst bis zum Jahr 2022 die Weichen auf Klimaneutralität.

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Foto: Alexander Mertz
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15/05/20
Solvenz ist der Schlüssel – und die Weltwirtschaft noch mitten im Stresstest

Wöchentlich kommentiert der Anlageexperte Eoin Murray von Federated Hermes die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Wirtschaft und Geldanlage. Diesmal: Warum viele Unternehmen in der Verschuldungsspirale stecken – und warum Cashflows sowie Bilanzen gerade jetzt besonders zählen.

Eoin Murray, Head of Investment bei Federated Hermes:

„In Phase eins der Corona-Krise drehte sich alles um Liquidität, aber jetzt gehen wir in Phase zwei über, in der Solvenz der Schlüssel sein wird. Solvenz ist in erster Linie ein Ergebnis von Bilanzstärke und der Widerstandsfähigkeit des Cashflows – und wird sich wahrscheinlich zunächst auf den Anleihemärkten, insbesondere für kleinere und mittlere Unternehmen, und im Private Debt-Bereich als Problem erweisen.

Wir wussten, dass es vor der Pandemie bereits Probleme gab: Man musste nur das durchschnittliche Einkommen von S&P 500-Unternehmen mit dem Durchschnittseinkommen der National Income and Product Accounts (NIPA) für die USA vergleichen – es gab eine deutliche Diskrepanz. Das wird sich jetzt nur noch verschlimmern. Bereits jedes achte Unternehmen im S&P 1500, dem größeren Index hier, war technisch gesehen ein Zombie (also jedes fünfte in China), mit unzureichenden Gewinnen vor Einkommen und Steuern, um laufende Zinszahlungen zu decken.

Die Lage muss also mittlerweile viel schlimmer sein. Die Zahlungsausfälle steigen bereits jetzt an und liegen derzeit bei etwa 5 Prozent. Sie werden aber voraussichtlich auf 10 bis 20 Prozent steigen. Hinzu kommt: Die Ratings für Unternehmensanleihen sind schon jetzt durchschnittlich eine Stufe schlechter. Wir sehen bereits Anzeichen von Stress bei Unternehmen, die sich in Schwierigkeiten befinden; doch der Neuemissionsmarkt brummt fleißig vor sich hin – irgendwas muss geschehen…!“

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Quelle: fixed-income.org – Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.

15/05/20
„Anlageprodukte, die keine ESG-Kriterien berücksichtigen, werden uninteressant“

Storebrand hat seit einem Vierteljahrhundert einen überzeugenden Nachhaltigkeitsansatz bei Investments entwickelt und in allen Fonds und Anlagelösungen die Berücksichtigung von ESG-Kriterien für Umwelt (Environment), Soziales und gute Unternehmensführung (Governance) etabliert. Wie ESG@Storebrand bei Aktienfonds genau funktioniert, erläutert Chief Investment Officer Bård Bringedal.

Bård, wie stellen Sie verantwortliche Investitionen in Ihren Aktienfonds sicher?
Bård Bringedal: Nachhaltige Anlagen sind seit mehr als 25 Jahren integraler Teil der Anlageprozesse von Storebrand. Unsere Richtlinien zur Nachhaltigkeit gelten für alle Anlageprodukte und -klassen. Unsere Werkzeugbox beinhaltet die Möglichkeit, Unternehmen auszuschließen (Exclusion), sieht den intensiven und kritischen Dialog mit dem Management (Engagement) sowie das Investment in Unternehmen vor, die Lösungen für aktuelle Probleme anbieten (Solutions). Um diese Werkzeuge einzusetzen und Nachhaltigkeitskriterien bei Anlageentscheidungen zu berücksichtigen, verfügen wir über ein engagiertes und erfahrenes Team von auf ESG spezialisierten Analysten, die eng mit unseren Portfoliomanagern zusammenarbeiten.
Um etwas genauer zu sein: Wir haben eine Ausschlussliste, auf der Unternehmen verzeichnet sind, in die wir aus Nachhaltigkeitsgründen nicht investieren. Unternehmen können dort landen, weil sie nicht mit unseren Kriterien übereinstimmende Geschäftspraktiken zeigen oder entsprechende Produkte herstellen oder Dienstleistungen anbieten. Für alle Unternehmen in unserem Anlageuniversum erstellen wir ein internes ESG-Rating. Diese Daten geben den Portfoliomanagern wertvolle Hinweise, wie wir beispielsweise den Beitrag eines Unternehmens zu den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs) einschätzen. Darüber hinaus nutzen wir über alle Anlageprodukte hinweg unsere Stimme als Anteilseigner, um Unternehmen dahingehend zu beeinflussen, dass sie im besten Interesse der Aktionäre als auch anderer Interessengruppen handeln.

Ergibt sich aus künftigen ESG-Regeln die Notwendigkeit bei den Fonds nachzusteuern?
Bård Bringedal: Das Thema Nachhaltigkeit nimmt in der Finanzbranche immer mehr Fahrt auf. Einheitliche Klassifizierungssysteme können dabei helfen, Standards festzulegen und damit die Anlageprodukte besser vergleichbar zu machen. Dadurch dürfte auch das Interesse an nachhaltigen Investments steigen. Insgesamt umfasst das Thema Nachhaltigkeit unserer Meinung nach ein sehr breites Spektrum an Themen, so dass es auch ein breites Anlageuniversum gibt. Nachhaltigkeit wird – schon allein aus Risiko-Rendite-Überlegungen – immer mehr Teil des Investitionsprozesses werden.

Sehen Sie, dass neue, ESG-spezifische Anlageprodukte aufgelegt werden oder eher einen Wandel bei bestehenden Fonds?
Bård Bringedal: Mit dem Pariser Abkommen und den Zielen für nachhaltige Entwicklung haben wir nun weltweit ein gemeinsames Verständnis darüber hergestellt, was wir unter nachhaltiger Entwicklung verstehen und welchen CO2-Gehalt der Atmosphäre und welche Temperaturziele bei der Klimaerwärmung wir anstreben.
Das steigende Bewusstsein für den Klimawandel und die Notwendigkeit großer Finanzmittel, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, haben dazu geführt, dass sich Investitionen bereits in Richtung klimaschonender Anlagelösungen verschoben haben. In den skandinavischen Ländern erleben wir ein zunehmendes Interesse an ESG-basierten Anlageprodukten, die etwa fossile Brennstoffe ausschließen oder speziell auf Unternehmen setzen, die durch ihre Produkte oder Dienstleistungen zu den Zielen der nachhaltigen Entwicklung beitragen. Damit dürften Anlageprodukte, die keine ESG-Kriterien berücksichtigen, nach und nach uninteressant werden. Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, ESG als Schwerpunkt in unseren bestehenden Rentenfonds zu betonen. Dazu ist ein umfangreiches Research erforderlich und jede Änderung der Anlagestrategie muss gut erläutert werden, um bestehende Investoren in ihrer Entscheidung zu bestärken und neue Investoren zu gewinnen.

Gleichzeitig gibt es sicherlich Möglichkeiten für neue und innovative Anlageprodukte zum Thema Nachhaltigkeit.

Über Bård Bringedal:
Bård Bringedal (CFA) kam im Jahr 2006 zu Storebrand und begann als Portfoliomanager im Index & Quant Team. Bei Storebrand hat er dazu beigetragen, Index-Tracking-Portfolios aufzubauen, die in den vergangenen Jahren ESG optimiert wurden und CO2-Kriterien miteinbeziehen. Zudem hat er die Factor-Investing-Portfolios mit aufgebaut. Er verfügt über einen Master of Science (M.Sc.) in Industrieökonomie und Technologiemanagement und leitet derzeit drei Equity Investment-Teams und das Nachhaltigkeitsteam der Storebrand Gruppe.

Über die Storebrand Gruppe:
Die Storebrand Gruppe ist einer der führenden Anbieter von Anlagelösungen zum Vermögensaufbau und zur Altersvorsorge im nordischen Markt. Sitz der Gruppe ist Oslo. Storebrand Asset Management AS verwaltet aktuell mehr als 70 Milliarden Euro, was die Gruppe zum größten privaten Asset Manager Norwegens macht. Das Unternehmen ist auch in Schweden mit Produkten im Bereich Asset Management, Lebensversicherungen, und Krankenversicherungen aktiv. Storebrand betreut derzeit etwa 1,9 Millionen Kunden in Norwegen und Schweden. Die Anfänge des an der Börse Oslo notierten Unternehmens (Storebrand ASA) gehen bis in das Jahr 1767 zurück.

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Quelle: fixed-income.org – Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.

13/05/20
KMUs und der Kapitalmarkt in der Coronakrise: Mehr Chancen als Risiken

Nachdem nun die ersten Lockerungen im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben einsetzen und sich die Kapitalmärkte nach den dramatischen Volatilitäten in vielen Finanzinstrumenten zunehmend stabilisieren stellt sich die große Frage: Wie geht es weiter?

Eine allgemeine Prognose hierzu ist sicher schwer zu treffen, da es keine Erfahrungen mit einem weltweiten Shutdown weitreichender Wirtschaftszweige gibt. Unabhängig von den allgemeinen Unsicherheiten durch den schwer vorherzusagenden weiteren Verlauf der Pandemie, werden die Entwicklungen regional und nach Branchen sehr differenziert verlaufen.

Hierbei dürfte insbesondere der Wirtschaftsraum USA durch einen besonders schweren Verlauf der Pandemie und ein in derartigen Phasen wenig belastbares Sozialsystem noch sehr lange mit den Folgen zu kämpfen haben. Bestimmte Produktions- und Lieferketten werden repatriiert werden, was neben den Vorwürfen im Bezug auf den Ausbruch der Pandemie insbesondere die chinesische Wirtschaft betreffen dürfte. Von dieser Rückkehr der Kapazitäten nach Europa werden flexible Mittelständler im besonderen Umfang profitieren.

Damit wird die Investitionsentscheidung für Anleger künftig nicht leichter. Detaillierte Kenntnis der fundamentalen Situation wird ein Schlüsselfaktor für langfristig erfolgreiche Investitionen in Aktien wie auch in Unternehmensanleihen sein. Die bisher so erfolgreichen diversifizierten Indexinvestments dürften gegenüber einer Einzelauswahl künftig zurückstehen.

In diesem Umfeld können sich KMUs, die Ihre Hausaufgaben hinsichtlich Börsenreife und Transparenz auch in der Krise erledigt haben, bzw. deren Geschäftsmodelle auch für die Zeit wieder normalisierter Umstände plausibel erscheinen, sicher behaupten.

Die Wirtschaft und gerade KMUs benötigen mehr denn je einen leistungsfähigen Kapitalmarkt, um eine effektive Allokation der gigantischen Liquidität zu gewährleisten. Gerade die Kreditwirtschaft in Deutschland zeigte bereits vor dem Ausbruch der Pandemie nur schwache wirtschaftliche Performance. Die neueste Umfrage zum Zugang von Unternehmen zu Finanzmitteln zeigt wenig Überraschendes: Die Verfügbarkeit von Bankkrediten für KMUs hat sich von 10% auf 5% halbiert. Der Grund: Die Banken vergeben generell weniger Firmenkundenkredite. Nun fordert die EZB die Banken zu umgehen. Die Zentralbank möchte, ähnlich der US-Notenbank FED, selbst Kredite an KMUs vergeben. Die EZB hat aber überhaupt nicht die Ressourcen, um einen Kredit-Vergabeprozess zu steuern – erst recht nicht kurzfristig.

Das Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, Joachim Wuermeling, warnt die Institute vor steigenden Belastungen im Kreditgeschäft im zweiten Halbjahr. "Die größten Sorgen machen mir als Aufseher die Kreditrisiken, die voraussichtlich vermehrt ab dem dritten Quartal schlagend werden.“ Im Fokus stehen dabei für ihn Kredite an inländische Unternehmen und Selbstständige, die etwa ein Viertel aller vergebenen Kredite ausmachen und deren Volumen zu mehr als zwei Drittel eine Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren haben. Moratorien, Bilanzierungs- und Abschreibungsregeln führten zu einem Zeitgewinn, erklärte Wuermeling und fügte hinzu: "Der Moment der Wahrheit aber wird kommen, wenn sich die Kreditrisiken materialisieren.“

Insofern müssen zunehmend mittelständische Unternehmen auf andere Finanzierungsquellen ausweichen, um die notwendigen Investitionen in den „Wiederaufbau“ und die Anpassung der deutschen Wirtschaft an die vorstehend beschriebenen tektonischen globalen Verschiebungen darzustellen. Und Emittenten, welche die klassischen Entscheidungsparameter wie glaubwürdiges Management, eine (coronabereinigte) vorzeigbare Historie und ein belastbares Geschäftsmodell vorzeigen können, werden das Vertrauen der Investoren auch bekommen. Es gilt natürlich den richtigen Finanzierungsmix zwischen Eigenkapital und Fremdkapital zu finden und insofern erwarten wir Bewegung sowohl für den Aktienmarkt als auch für den Markt der Unternehmensanleihen.

Bezeichnenderweise gibt es KMU-Anleihen, die wieder nahe dem Vorkrisenniveau notieren und damit bestätigen, wie eine ernstzunehmende Kapitalmarktpräsenz und Transparenz auch in schwierigen Zeiten umzusetzen ist. Diese Kriterien werden auch für neue Emittenten gelten müssen. Eine sorgfältige Auswahl ist erste Bürgerpflicht für Investoren. Im Bereich der Immobilien dürfte sich die Entwicklung des Marktes sehr differenziert fortsetzen.  Anleger sollten neben den regionalen und regulatorischen Kriterien darauf achten, in welchem Segment ein Unternehmen tätig ist. Denn die Entwicklung bei Büro, – Gewerbe,- und Übernachtungsimmobilien wird nicht linear mit der der Wohnimmobilien verlaufen. Auch in anderen Branchen gilt „Trau-Schau-Wem“. Die am Kapitalmarkt tätigen Banken sollten dies beherzigen und dem Investor eine maximale Transparenz in Form von hochwertigem Research, Emissionsprospekten oder Ratingreports anbieten.

Die bisherige europäische Regulierung (MiFID II, MAR) hat insbesondere das KMU Segment belastet – das ist ja zwischenzeitlich auch bei den Regulatoren angekommen. Die jüngste Konsultation der European Securities and Markets Authority (ESMA) zum Review des sogenannten „Unbundlings“ bei KMU-Research liefert entsprechende Signale. Hier ist es dringend erforderlich, die regulatorischen Hürden für KMU im Kapitalmarkt auf ein angemessenes und effektives Niveau zu setzen. Erfahrungsgemäß wird dies aber leider (zu) lange dauern.

Nutzbar erscheinen die Förderungsmöglichkeiten durch Garantien für Schuldtitel durch den Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes. Eine staatliche Förderung bei der Beschaffung von ebenfalls dringend benötigtem Eigenkapital über den Kapitalmarkt ist hier ebenfalls wünschenswert. Steuerliche Anreize für Investitionen in geeignete KMUs oder bei den Transaktionskosten wären eine wichtige Unterstützung, um diese weltweite Krise in Europa und in Deutschland zu meistern.

Wir sind uns sicher: Der Kapitalmarkt wird schneller wiederauferstehen als manche heute glauben mögen. Denn er wird dringend gebraucht.

Die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG ist ein von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugelassener Wertpapierdienstleister mit Niederlassungen in Gräfelfing bei München, Hamburg, Hannover, Frankfurt und Berlin. Das Unternehmen wurde 1993 gegründet. 1999 erfolgte der Börsengang. Heute ist die mwb-Aktie (ISIN DE0006656101, WKN 6656101) an der Börse München im Segment m:access notiert wie auch im Freiverkehr an den Börsen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt (Basic Board), Hamburg und Stuttgart. mwb ist in zwei Geschäftsbereichen aktiv: Wertpapierhandel und Corporates & Markets. Im Wertpapierhandel betreut mwb rund 38.000 Orderbücher für deutsche und internationale Wertpapiere. Dabei handelt es sich sowohl um Aktien als auch um festverzinsliche Wertpapiere und offene Investmentfonds. Damit ist mwb einer der größten Skontroführer in Deutschland.

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Foto: Kai Jordan © mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank

Quelle: fixed-income.org – Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.

13/05/20
Patrick Rivière zum Vorstandsvorsitzenden der La-Française-Gruppe ernannt

Der Aufsichtsrat der La-Française-Gruppe ernannte in seiner Sitzung am 11. Mai 2020 Patrick Rivière zum Vorstandsvorsitzenden. Rivière ersetzt damit Xavier Lépine, der nach 20 Jahren La Française verlässt. Die Entscheidung traf Lépine nach reiflicher Überlegung und in voller Übereinstimmung mit der Geschäftsführung der Crédit Mutuel Nord Europe (CMNE), um von nun an persönliche Projekte zu verfolgen.

Ebenfalls verabschiedete der Aufsichtsrat eine neue Führungsstruktur und ernannte zwei neue Vorstandsmitglieder. Marc Bertrand und Philippe Lecomte werden neben Pascale Auclair in den Vorstand der La-Française-Gruppe berufen. Dieses neue Managementteam unter Leitung von Patrick Rivière, bisher Managing Director, wird sich mehr denn je für den Erfolg der Gruppe einsetzen.

• Pascale Auclair, Mitglied des Vorstands seit Mai 2018, behält ihre Aufgaben als Generalsekretärin der Gruppe bei. Unter der neuen Führungsstruktur übernimmt sie zusätzlich die Verantwortung für Forschung und Nachhaltiges Investment. Sie wird auch weiterhin als Sprecherin der Gruppe in Regulierungsfragen fungieren und die Gruppe gegenüber allen Verbänden und Aufsichtsbehörden vertreten.

• Marc Bertrand hat mehr als zwanzig Jahre Erfahrung innerhalb der Gruppe und wird alle Aktivitäten in Zusammenhang mit Immobilien steuern. Dazu zählt auch die Innovationsplattform, die in enger Verbindung mit dem Geschäftsbereich Immobilien steht und auf der die neuen Aktivitäten, die als Schlüsselbereiche von morgen identifiziert wurden, gebündelt werden. Er wird La Française in allen Gremien des Immobilienmarktes vertreten.

• Philippe Lecomte, der 2012 zur La-Française-Gruppe stieß, um die internationale Expansion der Gruppe zu beschleunigen, wird für die Entwicklung der Gruppe in Frankreich und im Ausland verantwortlich sein. Er behält die Verantwortung für die bereichsübergreifende Vertriebsplattform und wird für die Zusammenarbeit mit den Tochtergesellschaften der Gruppe zuständig sein. Er betreut ab sofort das gesamte Produktangebot der La-Française-Gruppe und deren externe Kommunikation.

Diese Neuorganisation ist seit dem 11. Mai 2020 wirksam und folgt auf das starke Jahr 2019, das durch Wachstum und Zuflüssen von 5,6 Milliarden Euro gekennzeichnet war. Die neue Führungsstruktur ist auf die kontinuierliche Entwicklung der Gruppe und ihr Multi-Boutique-Modell ausgerichtet, das auf den Kerngeschäftssäulen Immobilien- und Finanzanlagen fußt, und über eine bereichsübergreifende Vertriebsplattform verfügt.

Trotz des äußerst turbulenten Umfelds im Zusammenhang mit der Gesundheitskrise beabsichtigt die La-Française-Gruppe ihre ehrgeizigen Wachstumsziele im Jahr 2020 weiter zu verfolgen. Alle Management- und Verkaufsteams der Gruppe werden den Kunden und Partnern weiterhin ein hohes Maß an Servicequalität bieten.

Eric Charpentier, Generaldirektor des CMNE, sagt: „Ich möchte Xavier Lépine für die ausgezeichnete Zusammenarbeit in all den Jahren, seinen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der Gruppe sowie für seinen Enthusiasmus als Entwickler danken. Ich freue mich über die Ernennung von Patrick Rivière und des neuen Managementteams. Zusammen werden wir in der Lage sein, optimal auf die aktuelle Situation zu reagieren und die Entwicklung der La-Française-Gruppe erfolgreich weiterzuführen.“

Patrick Rivière erklärt: „Mehr als zwölf Jahre arbeiteten wir gemeinsam mit Xavier Lépine daran, die Gruppe zu einem der führenden europäischen Unternehmen zu machen, das sich auf ein unverwechselbares Know-how mit hoher Wertschöpfung stützt. Für die Gruppe beginnt ein neues Kapitel in einer Krise, die uns alle betrifft. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit dieser neuen Führungsstruktur und der Neuausrichtung der letzten zwei Jahre zusammen mit unserem Know-how in den Bereichen Sachwerte, Anleihen, systematisches Asset Management mit dem Risk@Work-Modell und nachhaltige Anlagen sowie dem unermüdlichen Einsatz unserer Teams gebraucht werden, um den Bedürfnissen unserer Kunden und Partner gerecht zu werden. Eine Herausforderung, die meine Kollegen und ich bereit sind, in diesem beispiellosen Umfeld anzunehmen.“

Marc Bertrand: Der Absolvent der EDHEC Business School von 1992, begann seine Karriere 1994 als Finanzcontroller in der Immobilienabteilung der GAN-Versicherung. 1999 ging er als Leiter des Management-Controllings zu UFG. Schnell übernahm er sowohl fachliche als auch operative Verantwortung, wobei er abwechselnd die Funktionen des Finanzvorstands der Gruppe und des Finanzdirektors der Immobilienabteilung übernahm. Zunächst als Doppelspitze, seit 2014 allein, leitet Marc Bertrand die Immobilienaktivitäten der La-Française-Gruppe. Ende 2019 belief sich das Immobiliengeschäft von La Française auf mehr als 23 Milliarden Euro und beschäftigte rund 140 Mitarbeiter.

Philippe Lecomte: Er schloss 1991 sein Studium an der Universität für Wirtschaftswissenschaften in Caen ab und begann seine Karriere als Leiter des Bereichs Institutionelle Kunden als Invesco in Europa startete. Nachdem er bei Invesco die Entwicklung Westeuropas verantwortete, wurde er im Dezember 2003 General Manager von Schroders in Frankreich. Zwei Jahre später wurde er zum Leiter der Global Financial Institution in London ernannt und trat dem Europäischen Exekutivausschuss von Schroders bei. Seit 2012 ist er für die kommerzielle Entwicklung der La-Française-Gruppe verantwortlich.

Pascale Auclair: Die Absolventin des Institut de Science Financière et d’Assurances de Lyon begann ihre Karriere 1983 bei der Société Générale als Managerin von Rentenfonds und arbeitete dann bei BAFIP, Cheuvreux de Virieu. 1992 kam sie zu Groupama, wo sie die Leitung für das Management von festverzinslichen Wertpapieren übernahm. 1994 war sie an der Gründung der Tochtergesellschaft beteiligt, die für die Vermögensverwaltung der Gruppe sowie den Ausbau der Aktivitäten für externe Kunden zuständig war. 1998 übernahm Pascale Auclair die Leitung der Teams für Anleihen und Multi-Asset. 1999 wurde sie Mitglied des Vorstands von Groupama Asset Management, danach stellvertretende Geschäftsführerin. Im Jahr 2006 kam sie als Direktorin der Vermögensverwaltung zu LFP Investissements und wurde dann, als das Unternehmen 2010 mit der UFG-Gruppe fusionierte, zur Leiterin der Vermögensverwaltung und zum Chief Executive Officer von LFP ernannt. Die Vermögensverwaltungsgesellschaft der UFG-LFP-Gruppe wurde zur La-Française-Gruppe. Pascale Auclair wurde 2018 zur Generalsekretärin der La-Française-Gruppe ernannt.

Patrick Rivière: Als Absolvent des Institut de Science Financière et d’Assurances begann er seine Karriere 1983 bei Cholet Dupont, bevor er 1985 zu Fimagest wechselte. Nach der Übernahme von Fimagest durch Générale de Banque im Jahr 1996 wurde Patrick Rivière zum Chairman und CEO von Générale de Banque Asset Management ernannt. Anschließend wurde er, im Rahmen der Übernahme der Générale de Banque durch Fortis, CEO von Fortis I.M. (1998-1999). Ende 1999 wechselte er zu Invesco, wo er neun Jahre als Chief Regional Officer für Invesco Continental Europe tätig war und dann Vorsitzender des Vorstands und CEO von Invesco AM SA wurde. Patrick Rivière kam 2008 als Managing Director zur La-Française-Gruppe.

www.fixed-income.org
Foto: Patrick Rivière
© La-Française-

Quelle: fixed-income.org – Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.

12/05/20
NN IP: Schwellenländeranleihen bieten jetzt hervorragende Gelegenheiten für Carry Trades

Schwellenländeranleihen bieten Investoren jetzt hervorragende Carry-Trade-Möglichkeiten. Die wichtigsten Triebkräfte für die Performance der Schwellenländer stehen im derzeitigen Umfeld zwar weiter unter Druck, darunter Exporte, Öl, Rohstoffe, und Tourismus. Das außergewöhnliche Niveau der politischen Unterstützung durch globale Institutionen begrenzt jedoch das Ausfallrisiko, während die Bewertungen der Anlageklasse weiter attraktiv sind, insbesondere im Vergleich zu ähnlichen festverzinslichen Anlageklassen. Angesichts dieser positiven Faktoren hat NN Investment Partners (NN IP) selektiv einige der klassenbesten Titel aus dem Universum der Schwellenländeranleihen hinzugefügt.

Die durch das Coronavirus verursachten Fundamentaldaten zeichnen weitgehend ein dunkles Bild für die Schwellenländer, mit schwachen Aussichten für Exporte und Tourismus, verbunden mit einem im Verhältnis zur Nachfrage steigenden Ölangebot. In der Zwischenzeit hat die Emissionstätigkeit stark zugenommen, da viele Schwellenländer mit Investment-Grade-Rating große Emissionen vorgenommen haben, um den negativen wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus entgegenzuwirken. Während der Großteil der Jumbo-Emissionen bereits erfolgt ist, sieht NN IP Raum für kleinere Staaten und Quasi-Staatsanleihen, die auf den Markt kommen.

Doch trotz des insgesamt negativen fundamentalen Gesamtbildes trägt die Höhe der Unterstützung durch IWF und Weltbank viel dazu bei, die Bedrohungen im Bereich der Staatsanleihen aus Schwellenländern auszugleichen. Darüber hinaus ist NN IP der Ansicht, dass diese Fundamentaldaten unter den Anlegern bekannt und bereits weitgehend eingepreist sind. Insofern stellen sie kein außergewöhnliches Risiko mehr dar. „Das Hauptrisiko ist ein Anstieg der Spannungen zwischen den USA und China nach oder sogar noch vor dem Ende des Kampfes gegen das Coronavirus“, sagt Leo Hu, Co-Lead Portfolio Manager Emerging Markets Debt Hard Currency bei NN IP. „Dies wäre der ungünstigste Zeitpunkt für globale Unstimmigkeiten.“

Mit Blick auf die technischen Faktoren sieht NN IP Grund zur Zuversicht. Die allgemeine Stimmung der globalen Kreditmärkte ist konstruktiv, da das Vertrauen durch die Unterstützung der US-Notenbank gestärkt wurde. Das Momentum ist beständig, die Spreads haben sich mittlerweile stabilisiert, nachdem zuvor die Verkäufe der ETFs den Markt fast zum Erliegen brachten, da der Ausbruch der Pandemie zu massiven Abflüssen führte. Diese haben sich seither wieder deutlich verlangsamt, die Abflüsse sind jetzt niedrig.

Darüber hinaus sind die Bewertungen trotz der jüngsten Rallye, die zu einer Einengung der Spreads von den höchsten Niveaus seit einem Jahrzehnt geführt hat, nach wie vor attraktiv. Staatsanleihen von Schwellenländern in Hartwährung bieten derzeit beispielsweise eine Rendite von etwa 6,5% (JPM EMBIG D Index). Verglichen mit ähnlichen festverzinslichen Anlageklassen sind die Spreads von Schwellenländeranleihen sogar interessanter geworden. Das gilt insbesondere für die Hochzinsanleihen aus den Schwellenländern im Vergleich zu ihren US-Pendants, die sich nach der Ankündigung der US-Notenbank, hochverzinsliche ETFs und gefallene Engel zu kaufen, erholt haben.

Leo Hu: „Hochzinsanleihen der Schwellenländer sind wahrscheinlich der am wenigsten geliebte Teil der globalen Kreditmärkte, und die Stimmung kann nicht viel schlechter werden. Der Markt hat immer mehr Ausfallerwartungen eingepreist, ignoriert aber mögliche positive Überraschungen weitgehend. Ein Aufschwung der Öl- und Rohstoffpreise könnte eine solche Überraschung sein, wenn Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht kommen. Andere mögliche positive Überraschungen sind ein günstiges IWF-Programm oder eine rasche und saubere Umstrukturierung der chinesischen Kreditvergabe.“

Insgesamt ist NN IP der Ansicht, dass die Ungewissheit der wirtschaftlichen Corona-Auswirkungen und die aufgeheizte Rhetorik der USA und Chinas zwar eine defensivere Risikohaltung rechtfertigen als in der Vergangenheit. „Dennoch haben wir angesichts der drastischen Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus und der beispiellosen politischen Reaktionen aller großen Zentralbanken selektiv einige der klassenbesten Titel aus dem Universum der Schwellenländeranleihen hinzugefügt“, sagt Leo Hu. „Das liegt an ihrem attraktiven Carry zu einer Zeit, in der die US-Notenbank die Zinsen auf null gesenkt hat. Carry ist ein wichtiger Bestandteil von Schwellenländeranleihen in Hartwährung. Deshalb sind wir in diesem Fall geneigt, einem bekannten Aufruf zu folgen – Keep calm and carry on.“

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Foto: Leo Hu
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Quelle: fixed-income.org – Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.

08/05/20
Sozial verantwortliche Investments haben sich in der Krise bewährt

LFDE – La Financière de l’Échiquier veröffentlicht eine aktualisierte Fassung der Studie „SRI & Performance by LFDE“1 zur Vereinbarkeit von nachhaltigem Investieren (socially responsible investing – SRI) und Börsenperformance. Anfang 2019 hatte diese Studie gezeigt, dass die Berücksichtigung der Kriterien Umwelt, Soziales und Governance (ESG) ihre langfristige Performance fördert.

Die aktualisierte Studie mit Stand vom 31.03.2020 zeigt die Robustheit von Unternehmen mit den besten ESG-Profilen: Ein Jahr nach der ersten Studie hat sich die Outperformance der Unternehmen mit den besten ESG-Profilen sogar noch verstärkt. Die Bewährungsprobe der aktuellen Krise haben sie somit bestanden:

• Vom 01.01.2010 bis zum 31.03.2020 erwirtschaftete das Portfolio mit den besten ESG-Profilen eine um 3,8 Mal höhere Performance als dasjenige mit den schlechtesten ESG-Profilen. Dieser Unterschied hat sich in den letzten Monaten deutlich vergrößert; Ende 2019 lag er noch bei 2,6.

• Das Rendite-Risikoverhältnis blieb stabil.

• Wie im Jahr 2019 bestärkt die Studie unsere extreme Wachsamkeit gegenüber schlecht geführten Unternehmen: Das Portfolio mit den schlechtesten Governance-Ratings erzielte über 10 Jahre die schlechteste Performance (+126 %).

„Unsere Studie bestätigt die Outperformance der Unternehmen mit sehr guten ESG-Profilen unabhängig von der Marktlage. Die Ergebnisse zeigen auch, dass die gute Steuerung nicht-finanzieller Risiken ein enormer Vorteil ist, insbesondere in Krisenzeiten“, erklärt Sonia Fasolo, SRI-Fondsmanagerin.

www.green-bonds.com
Foto: Sonia Fasolo
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Quelle: fixed-income.org – Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.

07/05/20
Barings: Europa – Argumente für koordinierte Ausgaben zur Konjunkturbelebung gestärkt

Kommentar von Agnès Belaisch, Managing Director und Chief European Strategist des Barings Investment Institute, zur Corona-Krise aus amerikanischer Sicht:

– Es war beruhigend zu sehen, dass die europäischen Regierungen schnell auf den Pandemieschock reagiert haben. Eine Reihe von nationalen Konjunkturprogrammen war angekündigt worden, die nicht immer sehr umfangreich, aber ein guter Anfang waren. Wie immer war auch die EZB zur Stelle, um die Liquidität der Wirtschaft und die Finanzierung der öffentlichen Pandemiehaushalte zu unterstützen. Die Märkte waren bereit, sich auf ein erfolgreiches Zusammenwirken einzulassen und eine Rallye zur Unterstützung einzuleiten. Oft läuft aber auch etwas schief in der Eurozone. So hat das Deutsche Bundesverfassungsgericht die Hoffnung auf eine starke Erholung enttäuscht, indem es die Befugnisse der EZB infrage stellte. In einer lebensbedrohlichen Krise ist das Vertrauen in die Fähigkeit der öffentlichen Institutionen, alles in der Macht stehende zu tun, ein entscheidender Faktor. Damit wird in der Eurozone die Rezession tiefer, die politische Reaktion schwächer, das Risiko größer und der Aufschwung langwieriger sein als in anderen fortgeschrittenen Volkswirtschaften.

– Andererseits sind die Argumente für koordinierte Ausgaben zur Rettung des Euroraums weiter gestärkt worden. Die Europäische Kommission hat heute Morgen in ihrer Frühjahrsprognose ein demütigendes Szenario vorgelegt. Demnach werde das BIP-Wachstum in diesem Jahr um 7,4% einbrechen und der erwartete Aufschwung von 6,3% im Jahr 2021 nicht ausreichen, um den Verlust auszugleichen. Zudem würden sich die einzelnen Länder sehr ungleichmäßig erholen, wobei die Wirtschaftstätigkeit in Italien, Griechenland und Frankreich am stärksten und in Deutschland am wenigsten schrumpfen dürfte. Eine derart große Divergenz ebnet den Weg für ein außergewöhnliches Abwärtsrisiko für den Euroraum, das die Dynamik in der Währungsunion verzerrt. Dies kann die Mitgliedstaaten letztlich nur dazu motivieren, einen großen gemeinsamen Plan für Ausgaben zur Konjunkturbelebung auszuarbeiten, um dieses Haupthindernis für einen nachhaltigen, dynamischen Euroraum zu beseitigen.

Über Agnès Belaisch, Managing Director und Chief European Strategist des Barings Investment Institute:
Agnès Belaisch ist seit 2019 für Barings tätig und arbeitet an einer Vielzahl von Themen, die von der makroökonomischen Analyse bis hin zu verantwortungsbewussten Finanzen reichen. Sie ist seit 1996 in der Branche tätig und verbrachte insbesondere 10 Jahre beim IWF in Washington, DC, wo sie eine Vielzahl von Regierungen in Lateinamerika, Europa und Asien beriet. Zudem arbeitete sie als Managerin für festverzinsliche Schwellenländerfonds in London. Agnès Belaisch hat einen Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften von der New York University.

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Foto: Agnès Belaisch
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06/05/20
HelloFresh platziert 5-jährige Wandelanleihe mit einem Kupon von 0,75%

Die HelloFresh SE hat eine nicht nachrangige und nicht besicherte Wandelanleihe im Gesamtnennbetrag von 175 Mio. Euro und einer Fälligkeit in 2025 bekannt. Die Wandelanleihen sind in neue und/oder bestehende auf den Inhaber lautende Stückaktien der Gesellschaft (die „Aktien“) wandelbar.

Die Gesellschaft plant den Erlös aus der Emission für die weitere Finanzierung ihrer Wachstumsstrategie, einschließlich Investitionsausgaben für die Erweiterung ihrer Kapazitäten, sowie für allgemeine Geschäftszwecke zu verwenden.

Die Wandelanleihen werden zu 100% des Nennbetrags von jeweils 100.000 Euro ausgegeben. Die Wandelanleihen werden am 13. Mai 2025 zu ihrem Nennbetrag zurückgezahlt, sofern sie nicht vorzeitig gewandelt, zurückgezahlt oder zurückgekauft und eingezogen wurden. Die Wandelanleihen werden mit einem Festzinssatz von 0,75 % pro Jahr verzinst. Die Zinsen sind halbjährlich nachträglich zahlbar. Der anfängliche Wandlungspreis wurde mit einem Aufschlag in Höhe von 40 % über dem Referenzaktienpreis (den Schlusskurs der Aktie der Gesellschaft auf XETRA am 5. Mai 2020) auf EUR 50,764 festgelegt.

Die Gesellschaft hat die Möglichkeit, die noch ausstehenden Wandelanleihen vollständig aber nicht teilweise zum Nennbetrag zzgl. aufgelaufener, aber nicht gezahlter Zinsen jederzeit (i) am oder nach dem 5. Juni 2023 zurückzukaufen, wenn der Preis der Aktie der Gesellschaft über einen bestimmten Zeitraum mindestens 130% des dann gültigen Wandlungspreises beträgt oder (ii) wenn mindestens 85% des Gesamtnennbetrags der ursprünglich begebenen Wandelanleihen gewandelt und/oder von der Gesellschaft zurückgekauft und eingezogen wurde.

Die Wandelanleihen wurden im Rahmen eines beschleunigten Bookbuilding-Verfahrens ausschließlich institutionellen Anlegern außerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika (die „Vereinigten Staaten“) sowie außerhalb Australiens, Japans und anderer Rechtsordnungen, in denen das Angebot oder der Verkauf der Wandelanleihen gesetzlich untersagt ist, angeboten. Die Bezugsrechte der Aktionäre der Gesellschaft auf den Bezug der Wandelanleihen wurden ausgeschlossen.

Die Lieferung der Wandelanleihen wird voraussichtlich am oder um den 13. Mai 2020 erfolgen. HelloFresh erwartet, dass die Wandelanleihen zeitnah in den Handel im Freiverkehr der Frankfurter Wertpapierbörse einbezogen werden.

BNP Paribas und J.P. Morgan Securities plc begleiteten die Transaktion als Joint Global Coordinators und zusammen mit Deutsche Bank Aktiengesellschaft als Joint Bookrunner. Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG und Coöperatieve Rabobank U.A. fungierten als Co-Lead Managers.

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05/05/20
Kommentar von BANTLEON zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum PSPP der EZB

Mit seinem Urteil zum PSPP landete das BVerfG eine Überraschungscoup, da es das 2015 von der EZB aus der Taufe gehobene Programm teilweise als verfassungswidrig ansieht.

Wir ziehen aus den Ausführungen des BVerfG vorläufig folgende Schlussfolgerungen:

>  Das BVerfG bemängelt, dass die EZB im Rahmen des PSPP nicht überprüft habe, ob die Massnahmen »verhältnismässig« sind. Es reicht demnach nicht aus, zu sagen, dass das PSPP dazu beiträgt, Preisstabilität sicherzustellen. Die EZB hätte zusätzlich prüfen müssen, welche wirtschaftspolitischen Folgen mit den Anleihenkäufen verbunden sind. So würde sich die EZB mit zunehmender Dauer und zunehmendem Volumen des PSPP in wachsende Abhängigkeit von der Politik der Mitgliedstaaten begeben. Ausserdem seien – bei anhaltend hohen Staatsanleihenkäufen – negative Auswirkungen auf die Sparer absehbar und es würden nicht überlebensfähige Unternehmen am Markt gehalten.

>  Das PSPP sei so lange verfassungswidrig, so lange die EZB nicht die Verhältnismässigkeit der Massnahmen darlegt. Für diese Verhältnissmässigkeitsprüfung räumt das BVerG der EZB maximal drei Monate ein. Versäumt die EZB diese Frist. Versäumt die EZB diese Frist, darf die Bundesbank danach nicht mehr an den Anleihenkäufen im Rahmen des PSPP teilnehmen!

> Ein Verstoss gegen das Verbot der monetären Staatsfinanzierung sieht das BVerG im PSPP dagegen grundsätzlich nicht. Das BVerfG weist aber explizit darauf hin, dass dies an den Kriterien des PSPP liege. Dabei wird unter anderem auf das 33%-Kriterium (es dürfen maximal 33% der Staatsanleihen eines Schuldners gekauft werden), die Orientierung am Kapitalschlüssel und das vorab festgelegte Volumen verwiesen. Letzteres könnte im Hinblick auf das neu lancierte PEPP problematisch sein, das bei den Kriterien grössere Flexibilität vorsieht, als das PSPP ist.

Fazit:
Wahrscheinlich kann das PSPP mittels einer Stellungnahme der EZB (in der eine Verhältnismässigkeitsprüfung durchgeführt wird) »gerettet« werden (nachträglich verfassungskonform gemacht werden). Die Bundesbank wird dann nicht von der Beteiligung am PSPP ausgeschlossen. Leider dürfte es aber auch wieder Klagen gegen des PEPP der EZB geben, das nicht Gegenstand der aktuellen Entscheidung ist. Hier dürfte es noch schwieriger für die EZB werden, sicherzustellen, dass es mit dem deutschen Grundgesetz im Einklang steht. Im Grunde sieht aber auch dieses Programm gewisse Regeln vor, die eben nur flexibler ausgelegt werden.

Das Urteil ist auf den ersten Blick negativ für Bundesanleihen, denn möglicherweise wird die Bundesbank vom Ankauf von Bundesanleihen ausgeschlossen. Auf den zweiten Blick ist es aber auch positiv für Bundesanleihen. Schliesslich wird durch das Urteil insgesamt die Vergemeinschaftung von Schulden der Eurozone erschwert.

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05/05/20
Barings: Die Pandemie und die „Thukydides-Falle“

Christopher Smart, Chefstratege und Leiter des Barings Investment Institute, fürchtet, dass die Spannungen zwischen China und den USA im Zuge der Corona-Krise noch zunehmen könnten. Er fürchtet eine Thukydides-Falle, wonach der eigentliche Grund für eine sich zuspitzende Auseinandersetzung zweier Staaten in der Furcht des einen vor der wachsenden Macht des anderen zu suchen ist. Sein Rat an die Staatschefs lautet daher, sich auf den Wiederaufbau der angeschlagenen Volkswirtschaften zu konzentrieren – und auf den Ausbau von Digitalisierung und Innovationen.

„Es steht zu erwarten, dass China und die Vereinigten Staaten aus dem großen Lockdown noch gekränkter hervorgehen werden und dass sich Anleger auf eine Welt zunehmender Spannungen, steigender Handelsschranken und größerer Risiken einstellen sollten.

Doch vorerst wird der Kampf um die globale Führung verschoben: Beide Länder werden zu sehr mit ihren Bemühungen beschäftigt sein, die internen Schäden zu beheben, als dass sie den großen internationalen Plänen viel Aufmerksamkeit schenken würden. Es sieht so aus, als würde China mit den besseren Wachstumszahlen hervorgehen, wenn die Prognosen des IWF zutreffen, aber die Grenzen seiner globalen Reichweite bleiben nur allzu offensichtlich. Einem Hauptschwerpunkt, seinen Einfluss durch die „Seidenstraßen-Initiative“ auszuweiten, stehen nun Jahre bitterer Umschuldungen und Schuldzuweisungen bevor.

Die USA scheinen auch kaum in der Lage zu sein, die Vision einer globalen Führungsrolle durchzusetzen. Sie stehen vor der massiven Aufgabe der Wiederbelebung der Binnenwirtschaft, was die meisten internationalen Ziele auf die lange Bank schieben wird.“

„US-amerikanische und chinesische Firmen erkennen derweil bereits die steigenden Risiken in den Beziehungen ihrer Regierungen und prüfen Alternativen.“ Aber: „Mehr als alle Zollkriege oder geopolitischen Spannungen werden Innovation und Digitalisierung die Art und Weise verändern, wie die Welt Geschäfte macht.“

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(Foto: Christopher Smart
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04/05/20
In tausend Stücken – Wir erwarten niedrigere Erträge, schwächeres Wachstum und höhere Risiken – und damit schwierige Zeiten für risikobehaftete Wertpapiere

Irgendwann – hoffentlich schon bald – wird das Coronavirus weniger bedrohlich sein und die US-Wirtschaft wieder arbeiten. Aber das ist nicht frei von Herausforderungen. Folgende halten wir fu?r besonders wichtig:

– Manche, wenn nicht viele Unternehmen werden den Lockdown unabhängig von seiner Länge nicht u?berstehen oder erst spät wieder zu arbeiten beginnen. Manche Arbeitnehmer verlieren dadurch ihren Job.

– Manche Arbeiter werden erst dann wieder an ihren Arbeitsplatz zuru?ckkehren, wenn die recht großzu?gigen Leistungen der Arbeitslosenversicherung auslaufen. Einige Unternehmen mu?ssen sich daher vielleicht um neues und mitunter unerfahrenes Personal bemu?hen, das weniger produktiv ist.

– Wenn Hersteller von Vorprodukten aufgeben mu?ssen, haben deren Kunden entweder Pech (und bekommen selbst massive Probleme) oder mu?ssen neue Zulieferer finden. Das kann zeit- und kostenintensiv sein.

Der Neustart der Wirtschaft wird zu einer komplexen Koordinationsaufgabe: Die Produktionsfaktoren Arbeit, Management, Kapital – und Finanzen – mu?ssen sich neu sortieren, internationale Lieferketten mu?ssen neu aufgebaut werden, alles in einer Zeit der Unsicherheit.

Wir wissen weder, wie sehr sich die Nachfrage erholt, noch ob eine zweite Infektionswelle kommt. Unklar ist, ob wirksame Behandlungen und Impfstoffe entdeckt werden, wann welche Export- und Importmärkte wieder zur Verfu?gung stehen und vieles mehr.

Versuchen wir es mit einer Analogie: Stellen Sie sich vor, Sie könnten beliebig oft in die Vergangenheit reisen und wu?rden dann immer wieder dasselbe Weinglas zerbrechen. Jedes Mal hätten Sie andere Scherben. Aber es gibt nur eine Möglichkeit, es wieder zusammenzusetzen: Stu?ck fu?r Stu?ck.

Damit die Weltwirtschaft wieder so ist wie vor COVID-19, mu?ssten alle Einzelteile (Arbeit, Management, Kapital, Finanzierung, Lieferketten) exakt so zusammengesetzt werden, wie es fru?her war. Wir halten das fu?r sehr unwahrscheinlich. Die Aufgabe wäre zu komplex, zumal manche Teile von Anfang an fehlten. Außerdem wu?rden wir dann eine Wirtschaft rekonstruieren, die durchaus Schwächen hatte. Der letzte Konjunkturzyklus ging mit u?bermäßiger Verschuldung, mangelnden Investitionen in Produktivkapital und viel zu hohen Ausschu?ttungen an Aktionäre einher. Er war nicht nachhaltig. Wie sollten risikobehaftete Wertpapiere also bewertet sein, wenn wir jetzt versuchen, die Wirtschaft neu aufzubauen?

Unserer Ansicht nach hängen die Aktienbewertungen von drei Dingen ab: Gewinne, Wachstumserwartungen und Unternehmensrisiken. Wie wir gerade erst in Bekannte Unbekannte schrieben, sind fu?r Unternehmen Liquidität und Überleben heute wichtiger als zwei der drei bewertungsrelevanten Faktoren, nämlich Wachstumserwartungen und Gewinne. Fu?r die nächste Zeit rechnen wir mit niedrigeren Erträgen, schwächerem Wachstum und höheren Risiken – und damit mit keinem einfachen Umfeld fu?r risikobehaftete Wertpapiere.

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Foto: Erik Weisman
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Quelle: fixed-income.org – Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.

04/05/20
Burger, Bier und Deflationsängste: Chancen an den Kreditmärkten inmitten des Chaos

Ariel Bezalel, Head of Strategy, Fixed Income und Harry Richards, Fondsmanager bei Jupiter Asset Management erläutern, wo sie an den Kreditmärkten Chancen genutzt haben, ohne die versteckten Risiken aus den Augen zu verlieren, die häufig mit einer Bärenmarkt-Rally einhergehen.

Besser durch die Krise dank defensiver Ausrichtung

Unsere flexible Anleihestrategie ist mit einer defensiven Ausrichtung in diese historische Krise gestartet. Angesichts des bereits weit fortgeschrittenen Konjunkturzyklus und des insgesamt schwachen globalen Wachstumsumfelds sahen wir die hohen Bewertungen an den Unternehmensanleihemärkten schon vor der Krise skeptisch. Unserer Ansicht nach waren Märkte und Weltwirtschaft dadurch extrem anfällig für einen externen Schock.

Deshalb sind wir auch mit einer Allokation von rund 40 Prozent in höher verzinsten Staatsanleihen der Ratingklasse AAA wie US-Treasuries ins Jahr 2020 gestartet. Diese haben seit Jahresanfang stark zugelegt. Obwohl sich die US-Wirtschaft im letzten Jahr etwas besser als andere globale Volkswirtschaften geschlagen hat, betrachteten wir US-Staatspapiere als „das kleinere Übel“ in diesem Anlageuniversum. Unsere großen Positionen in australischen Staatsanleihen und kleinere Allokation in neuseeländischen Staatsanleihen haben ebenfalls gut performt, aber bei weitem nicht so gut wie US-Treasuries.

Auflösung von Kreditabsicherungen und Partizipation an positiven Kursbewegungen

Vor Ausbruch der Krise hielten wir zudem 10 Prozent in Short-Positionen auf US-amerikanische und europäische High-Yield-Indizes, die wir über Kreditderivate-Swaps umgesetzt hatten. Diese Positionen haben sich in diesem Jahr sehr ausgezahlt – die CDS-Absicherungen haben wir im März aufgelöst, als es zur massiven Ausweitung der Credit Spreads kam, kurz bevor die globalen Regierungen ankündigten, „zu tun, was immer nötig ist“, um die Wirtschaft zu stabilisieren. Trotz der Verschlechterung des fundamentalen Umfelds an den Kreditmärkten waren wir der Ansicht, dass die angekündigten fiskal- und geldpolitischen Stimulusmaßnahmen für gute Unterstützung sorgen würden, eine Short-Positionierung bei bereits stark gedrückten Bewertungen daher wenig sinnvoll wäre. Mit dem Ausstieg aus den CDS-Positionen haben wir die Absicherung unserer High-Yield-Allokation effektiv aufgehoben. Das erwies sich als gute Entscheidung, da die Märkte mit einer kräftigen Erholung auf die aggressiven Rettungspakete der globalen Notenbanken und Regierungen reagiert haben.

Bier und Burger: wenig konjunktursensitive Kreditanlagen im Fokus

Wir haben den Fokus auf opportunistische Zukäufe hochwertiger Investment-Grade-Anleihen zu attraktiven Spreads von 250 bis 350 Basispunkten gelegt. Wir bevorzugen defensive, weniger konjunktursensitive Unternehmen – Firmen mit soliden Sachwerten und robusten Erträgen und Umsätzen, die weiter in der Lage sein dürften, ihre Schulden zu bedienen. Unter anderem gehörten dazu zuletzt Emittenten aus dem Alkohol- und Fastfood-Segment – „Bier und Burger“‘ – wie Anheuser-Busch InBev, Pernod Ricard, Keurig Dr Pepper und McDonald’s. Weitere Zukäufe waren das Halbleiterunternehmen Broadcom, der britische Verpackungshersteller Mondi, Vodafone und der Krankenhausbetreiber HCA sowie Tech-Titel wie Oracle. Außerdem haben wir in Hochzinsanleihen der Ratingklasse BB wie Virgin Media, Netflix und Pinewood Studios investiert, die seither sehr gut performt haben.

Trotz fiskal- und geldpolitischer Bazooka weiterhin relativ defensiv positioniert

Die gigantischen fiskal- und geldpolitischen Rettungspakete haben zwar die Finanzmärkte stabilisiert. Solange die Weltwirtschaft im Lockdown ist, werden diese Maßnahmen aber kaum eine bedeutende Wirkung entfalten. Im März hatten wir eine Phase, in der sich die Investoren scharenweise von ihren Anlagewerten – selbst den liquidesten – trennten und in Barmittel flüchteten. Unserer Ansicht nach sollten sich Anleger im weiteren Jahresverlauf auf eine Insolvenzphase einstellen, wenn hoch verschuldete Unternehmen und in einigen Schwellenmärkten auch staatliche Emittenten durch das schwache Wirtschaftswachstum in den Zahlungsausfall getrieben werden. Hohe Schuldenquoten lassen sich nur mit Wachstum und Cashflows aufrechterhalten – beides wird bis auf weiteres knapp sein. In einem solchen Umfeld sind gründliche Kreditanalysen extrem wichtig.

Das Tauziehen zwischen aggressiven Stimulusmaßnahmen und sich verschlechternden Fundamentaldaten dürfte noch einige Zeit andauern. In diesem Marktumfeld wird die Einzeltitelselektion im Vordergrund stehen. Durch eine Auswahl der Emittenten, die gut aufgestellt sind, um die wirtschaftlichen Turbulenzen zu überstehen, und die Vermeidung von Anleihen mit hohem Herabstufungs- und Ausfallrisiko werden sich bedeutende Alpha-Quellen erschließen lassen. Wir beabsichtigen, Phasen einer erhöhten Risikoaversion zu nutzen, um hochwertige Titel auf einem sehr günstigen Bewertungsniveau zuzukaufen.

Japanifizierung: immer noch bullish für US-Treasuries

Wir verfolgen weiterhin eine „Barbell“- bzw. Hantel-Strategie, die zu rund 40 Prozent in US-amerikanischen und australischen Staatsanleihen investiert und in den längeren Laufzeitensegmenten höher gewichtet ist. Durch die aktuellen lebenserhaltenden Maßnahmen für die Weltwirtschaft und die Aussicht auf weitere fiskalpolitische Unterstützung könnten sich die Renditen in diesen Märkten dem noch niedrigeren Renditeniveau in Märkten wie Japan oder Europa annähern. Tatsächlich wären wir trotz der bereits historisch tiefen Anleiherenditen nicht überrascht, wenn die Rendite der 10-jährigen US-Treasury auf null fallen sollte, während die realen Zinsen durch eine deutlich niedrigere Inflation stark anziehen.

Wir sind überzeugt, dass wir gerade erst am Anfang eines rezessionären Umfelds stehen und den Zentralbanken die Munition ausgeht. Durch den starken Anstieg der Arbeitslosigkeit – allein die US-Wirtschaft hat innerhalb von vier Wochen so viele Arbeitsplätze verloren, wie seit der Finanzkrise von 2008 geschaffen wurden –, tiefrote BIP-Wachstumszahlen und die Gefahr erneuter Infektionswellen werden die Zentralbanken weiter unter Druck stehen, die Geldpolitik im weiteren Jahresverlauf noch stärker zu lockern.

Wenn die Volatilität zurückkehrt, könnte die Fed auch Aktien ankaufen – etwas, das die Bank of Japan schon länger macht. Wir vertreten seit langem die Ansicht, dass die entwickelten Märkte letztlich die gleiche Entwicklung durchlaufen werden wie Japan. Da eine V-förmige Erholung unwahrscheinlich und das konventionelle geldpolitische Instrumentarium ausgereizt ist, könnten die Notenbanken künftig auch auf Maßnahmen wie die Steuerung der Zinskurve oder kontroverse geldpolitische Instrumente wie die neue Geldtheorie (Modern Monetary Theory) oder Helikoptergeld zurückgreifen.

US-Dollar bleibt gefragteste Währung

Bedenken wir, dass die Zinsen in den USA auf null gesenkt wurden und die Fed unbegrenzte Anleihekäufe in Aussicht gestellt hat, ist es unglaublich, wie stark der US-Dollar in den letzten zwölf Monaten war. Ganz offensichtlich fehlt es an Dollars, um das Getriebe der Weltwirtschaft zu ölen. Das ist ein Problem für die Schwellenländer mit ihren rund 13 Billionen US-Dollar an Schulden, die nur noch schwer zu bedienen sind, wenn der US-Dollar erstarkt. Auch aus diesem Grund haben wir unser Exposure in den Emerging Markets reduziert, wobei wir allerdings weiter eine Position in russischen Anleihen sowie kurzlaufenden Anleihen der Ukraine halten, da wir optimistisch sind, dass das Land einen Deal mit dem IWF erreichen wird.

Eine hervorzuhebende Währungsposition ist das Short-Exposure im omanischen Rial. Durch den Kollaps des Ölpreises steht die omanische Wirtschaft massiv unter Druck, da das Land zur Finanzierung seines Haushalts eigentlich einen Ölpreis von rund 90 US-Dollar pro Barrel braucht. Der omanische Rial ist an den US-Dollar gekoppelt. Wir glauben aber, dass die Dollarbindung enorm unter Druck steht, und sehen das Risiko einer deutlichen Anpassung nach unten. Daneben sind wir short im chinesischen Renminbi, weil wir in China bis auf weiteres nicht mit einer kräftigen Wachstumserholung rechnen – solange sich die USA und Europa weiter im Lockdown befinden, sind Chinas Exportmärkte extrem eingeschränkt. In der Folge sind wir auch im Hongkong-Dollar short, da wir hier zusätzliche Sorgen in Bezug auf die Verschuldung im Bankensystem haben.

Vorsicht vor dem Bären

Bärenmärkte sind bekannt dafür, dass sie Investoren zu früh zurück an den Markt locken. Wir sind überzeugt, dass die aktuelle Marktvolatilität noch länger andauern wird, wodurch sich aktiven Managern zahlreiche Alpha-Chancen durch fehlbepreiste Zinspapiere eröffnen sollten. Wir werden diszipliniert bleiben und vor allem unsere Positionen in hochklassigen Anleihen mit einem geringen Ausfallrisiko und attraktiven Spreads aufstocken, dabei aber den Fokus weiter auf eine ausreichende Liquidität und die Minderung des Verlustrisikos legen.

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Foto: Ariel Bezalel
© Jupiter Asset Management

Quelle: fixed-income.org – Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.

04/05/20
Öl- und Gas-Unternehmensanleihen: Ein Subsegment überrascht positiv

Die anhaltend tiefen Ölpreise bedrohen das Geschäftsmodell zahlreicher Unternehmen der Öl- und Gasindustrie. In Nordamerika, dem größten Teilmarkt der Branche, dürfte das Fördervolumen wegen der stark gesunkenen Nachfrage in diesem Jahr um 50% einbrechen. Die Produktionskosten wurden in den vergangenen Jahren zwar bereits deutlich gesenkt, aber diese Maßnahme dürfte nicht ausreichen, um den jüngsten Preisverfall auszugleichen. Deshalb ist in der Branche mit deutlich steigenden Risikoprämien und Insolvenzzahlen zu rechnen. Positiv sticht in der laufenden Berichtssaison lediglich das Subsegment der Pipelinebetreiber und Transporteure hervor. Bei der Anleihenauswahl sollten Anleger sich dieses Segment genauer ansehen und dabei auf einen möglichst hohen Anteil der Einnahmen aus regulierten Geschäften achten. Dabei ist es sinnvoll, auf ein Mindestrating von »BB« zu setzen, um die Ausfallrisiken zu begrenzen.

Nach dem Ölpreiskollaps am 9. März 2020 konnte die exakt einen Monat später erzielte Einigung der OPEC-plus-Nationen auf gemeinsame Produktionskürzungen die Erwartungshaltung der Marktakteure nicht befriedigen. Daraufhin folgten Vermutungen über sogenannte globale Tank Tops: eine Situation, in der es keinen Platz mehr für die Lagerung von Rohöl gibt. Dies führte zu einer weiteren Preisabwärtsspirale, durch die das Geschäftsmodell der Öl- und Gasindustrie auf eine nie dagewesene Probe gestellt wurde. Von den 40% der weltweiten Rohölproduktion, die in den Händen privater Unternehmen liegen, entfällt der größte Anteil auf Nordamerika. Deshalb ist eine Auseinandersetzung mit diesem Markt für Anleger, die sich für Unternehmensanleihen aus der Öl- und Gasindustrie interessieren, sinnvoll.

Förderkapazitäten werden bereits verringert

Die großen Dienstleistungsunternehmen der Öl- und Gasindustrie haben bereits ihre Auftragslage angepasst, da sie in diesem Jahr von einem Rückgang des Fördervolumens von 50% für Nordamerika und von 10% bis 20% global ausgehen. Entsprechend werden nordamerikanische Fördergesellschaften ihre Ausgaben um bis zu 50% zurückfahren müssen, da diese Unternehmen am stärksten den Risiken schwankender Ölpreise ausgesetzt sind. Daher verwundert es nicht, dass eine steigende Zahl der aktiven Öl- und Gas-Bohranlagen stillgelegt wird. Hatte es noch im Frühjahr 2016 – im Zuge genereller Rohstoffpreisverwerfungen – knapp vier Monate gedauert, um einen Rückgang der aktiven Bohranlagen von 39% zu erreichen, so wurde dieser Wert in der aktuellen Abwärtsbewegung bereits binnen eines Monats erreicht.

Die bisherigen Kostensenkungen reichen aber nicht aus, um die stark gesunkenen Ölpreise auszugleichen. Zwar konnten die Produktionskosten in den vergangenen fünf Jahren um 40% bis 60% auf aktuell 30 bis 50 US-Dollar pro Barrel – je nach Standort – gesenkt werden, allerdings wird dabei grundsätzlich lediglich auf sogenannte Halbzykluskosten abgestellt. Sinnvoller wäre es, mit Vollzykluskosten zu rechnen, bei denen zusätzlich zu den Produktions- und Transportkosten auch die anteiligen Personalkosten sowie die Kosten für die seismischen Tests zur Exploration und der daran anschließenden Entwicklung der Bohrlöcher eingerechnet werden. Man sollte also von höheren Kosten ausgehen, als sie derzeit kolportiert werden.

Entscheidend für die Aufrechterhaltung der Cashflows bleibt zudem, inwieweit die Unternehmen ihre Produktion abgesichert haben und ob diese Absicherungen gehalten oder aufgelöst wurden, um kurzfristige Liquidität zu bekommen. Einer Umfrage der auf die amerikanische Öl- und Gasindustrie spezialisierten Rechtsanwaltskanzlei Haynes and Boone zufolge haben die meisten Anleihenemittenten zwischen 50% und 70% ihrer Produktion über Rohstoffswaps und -optionen abgesichert. Zudem erfordern die meisten Bankkreditklauseln, dass die Produzenten 60% bis 80% ihrer erwarteten Produktion auf einer rollierenden 12- bis 24-Monatsbasis absichern. Diejenigen, die deutlich weniger als 50% ihrer Produktion abgesichert haben, wird der massive Ölpreiseinbruch so oder so schwer treffen.

Tiefe Ölpreise zwingen wachsende Zahl hochverschuldeter Unternehmen in die Insolvenz

Grundsätzlich lässt sich ein direkter Zusammenhang zwischen der Zahl der Insolvenzanträge  und der Verschuldungshöhe zum Zeitpunkt der Insolvenzeinreichung erkennen. Zwischen 2015 und 2020 wurde in Nordamerika der Hochpunkt der Insolvenzanträge im Jahr 2016 mit einem Volumen von knapp 83 Mrd. US-Dollar erreicht, wovon allein rund 57 Mrd. US-Dollar auf das Fördersegment (Upstream) entfielen, in dem die durchschnittliche Verschuldung mit deutlichem Abstand am höchsten war. In jenem Jahr kamen 45% aller Insolvenzanträge aus dem Förder- und 46% aus dem Dienstleistungssegment. Dieser Effekt ist gerade in Krisenjahren besonders stark ausgeprägt und tritt in diesem Jahr erneut sukzessive auf. Allerdings gibt es auch einen Lichtblick in der Branche: Im Subsegment der Pipelinebetreiber und Transporteure (Midstream) wurden in den vergangenen Jahren kaum Insolvenzanträge gestellt. Außerdem weiteten sich dort in Krisen die Risikoprämien weniger stark aus als bei den Dienstleistungs- und Förderunternehmen der Öl- und Gasindustrie.

Weiterer Verlauf der Berichtssaison dürfte leicht positiv sein

Bis zum Ende der vergangenen Woche hat knapp die Hälfte aller für die Finanzmärkte relevanten Unternehmen ihre Ergebnisse für das 1. Quartal 2020 vorgelegt. Bislang sind die publizierten Resultate zweigeteilt, zeigen insgesamt jedoch einen positiven Trend. Die von uns entwickelte Kennzahl des Surprise-Faktors (SF) wird genutzt, um auf Basis von Ad-hoc-Kennzahlen wie dem tatsächlichen Gewinn pro Aktie und Gesamtumsatz in Gegenüberstellung mit dem Markt-konsens einen gewichteten Medianwert pro Tag und eine Prognose für den weiteren Verlauf der Berichtssaison zu erzeugen. Dabei sticht das Subsegment der Pipelinebetreiber und Transporteure mit einem durchschnittlichen positiven Wert von 6,1% heraus. Negativbeispiele sind – wie zu erwarten gewesen war – die Dienstleistungsunternehmen, die mit -22% weit unter dem aggregierten Median von +1,4% rangierten. Im Dienstleistungssegment haben bereits 75% aller Unternehmen Ergebnisse veröffentlicht und es ist nicht zu erwarten, dass sich die Zahlen dort noch deutlich verbessern werden. Die Berichtssaison begannen große Unternehmen wie Schlumberger, Baker Hughes und Halliburton, welche alle positiv überraschen konnten. Dies erklärt auch den Anstieg des Surprise-Faktors in den ersten Tagen, der im Lauf der Folgewoche ins Negative drehte und anschließend oberhalb der Nulllinie tendierte. Der weitere Verlauf der Berichtssaison dürfte etwas positiver verlaufen. Denn das Gros der Anleihenemittenten, deren Berichte noch ausstehen, setzt sich aus den stabileren Öl- und Gas-Fördergesellschaften und den Pipelinebe-treibern zusammen.

Fazit:

Innerhalb der massiv belasteten nordamerikanischen Öl- und Gasindustrie gibt es noch wenige etwas stabilere Anleihenemittenten, überwiegend Pipelinebetreiber und Transporteure. Dort sind in den vergangenen Jahren die Risikoprämien nicht so stark gestiegen und es gab auch weniger Insolvenzen als in anderen Segmenten der Öl- und Gasindustrie. In der aktuellen Berichtssaison konnten zahlreiche Unternehmen dieses Subsegments sogar mit soliden Resultaten noch leicht positiv überraschen. Anleger sollten auf einen möglichst hohen Anteil der Einnahmen aus regulierten Geschäften achten. Zudem können mitunter Opportunitäten bei Bonitäts-stufen unterhalb des Investment-Grade-Segments wahrgenommen werden. Dies ist gerade auch bei Fallen Angels der Fall, also Unternehmen, die vom Investment-Grade- in den High-Yield-Bereich abgerutscht sind. In jedem Fall sollte man dabei jedoch auf ein Mindestrating von »BB« setzen, um die Ausfallrisiken zu begrenzen.

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Foto: Benedikt Schröder
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Quelle: fixed-income.org – Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.

02/05/20
Die Auswirkungen von COVID-19 auf globale Hochzinsanleihen

Da immer mehr Unternehmen mit den wirtschaftlichen Folgen von COVID-19 zu kämpfen haben, wird ihre Fähigkeit, Anleihezahlungen zu leisten, einer intensiven Prüfung unterzogen. Wir gehen daher der Frage nach, ob die derzeitigen Hochzinsbewertungen die Anleger für das entstehende Ausfallrisiko angemessen entschädigen, und wie sich die Pandemie möglicherweise auf globale Hochzinsanleihen auswirken könnte.

Die Credit Spreads haben sich im März stark ausgeweitet, als die Investoren von risikoreicheren Anlagen in vermeintlich sicherere umgeschichtet haben. Infolgedessen hatten die Unternehmen Schwierigkeiten, Zugang zu den Anleihemärkten zu erhalten. Die Rating-Agenturen haben folglich viele Unternehmen herabgestuft, da immer mehr Länder in den Lockdown gegangen sind, was allen Kreditnehmern und insbesondere den Schwächeren geschadet hat.

Gleichzeitig waren die Geschwindigkeit und das Ausmaß der kombinierten politischen Reaktionen von Regierungen und Zentralbanken beispiellos. Die Schwachstellen auf dem Hochzinsmarkt – die durch negative Gesamtrenditen im März deutlich wurden – konnten durch die Maßnahmen zur Krisenbewältigung etwas ausgeglichen werden. Auch wenn es keine Garantien für den weiteren Verlauf geben kann, insbesondere angesichts der Ungewissheit über die Dauer dieser Gesundheitskrise und des von ihr ausgelösten wirtschaftlichen Schocks, können die Anleger hier auf einen attraktiven Einstiegszeitpunkt bei Hochzinsanleihen zurückblicken.

Verbreitung von COVID-19 zeigt Schwachstellen am Markt auf
Das größte Abwärtsrisiko für Hochzinsanleihen ist das Risiko einer Rezession, und genau das besteht auf kurze Sicht. In diesem Zusammenhang sind die Unternehmen im Vergleich zu den Niveaus zu Beginn früherer Rezessionen nicht übermäßig fremdfinanziert – z.B. Schuldenstände bis zum Sechsfachen des EBITDA, die vor der globalen Finanzkrise typisch waren.

Angesichts des plötzlichen und starken Rückgangs der wirtschaftlichen Aktivität reichen jedoch selbst die derzeitigen Schuldenstände – etwa das Vierfache des EBITDA – aus, um hochverzinsliche Emittenten in finanzielle Schwierigkeiten und Ausfälle zu bringen.

Unternehmen wurden kalt erwischt
Die Tatsache, dass so gut wie alles außer lebenswichtigen Gütern und Dienstleistungen abgeschaltet wurde, ist außergewöhnlich. Vor dem Hintergrund von Abschottungen und Eindämmungsmaßnahmen, mit denen noch vor wenigen Wochen niemand hätte rechnen können, ist es nicht wirklich eine Überraschung, dass die Unternehmen keine Zeit hatten, ihre Kostenstrukturen anzupassen und damit einen erheblichen Gewinnrückgang hinnehmen müssen.

Die Verwerfungen und der Ausverkauf auf dem Hochzinsmarkt erscheinen recht wahllos. Da börsengehandelte Fonds aufgrund großer Abflüsse gezwungen waren, Anleihen zu verkaufen, kam es zu einem Ausverkauf auf breiter Front, ohne dass es auf der anderen Seite des Handels einen nennenswerten marginalen Käufer gab. Da die Liquidität versiegt ist, haben die Anleger verkauft, was sie können, anstatt das zu verkaufen, was sie gerne hätten.

Dies hat auch Auswirkungen auf die Ausfall- und Herabstufungsrisiken. Bei den derzeitigen Renditeniveaus sind wir der Ansicht, dass langfristige Anleger für das Ausfallrisiko übermäßig entschädigt werden, denn obwohl in vielen Sektoren mit einem Anstieg der Ausfälle gerechnet wird, ist dieses Risiko bereits jetzt mehr als eingepreist. Beispielsweise implizieren die derzeitigen Renditeaufschläge bei US-Hochzinsanleihen eine kumulative Ausfallrate von etwa 40 Prozent über fünf Jahre. In der Zwischenzeit wird bei den europäischen Hochzinsanleihen derzeit eine Ausfallrate von rund 35 Prozent eingepreist, wobei vom Schlimmsten ausgegangen wird, also von einer Null-Rückgewinnungsrate. Der Kontext zeigt, dass die höchste historische und globale kumulative Fünf-Jahres-Ausfallrate 32 Prozent betrug.

Was das Herabstufungsrisiko betrifft, so haben weit verbreitete Eindämmungsmaßnahmen dazu geführt, dass die Zahl der Herabstufungen die Zahl der Upgrades überwiegt – eine Periode der "Migration negativer Ratings", wie es im Investitionsjargon heißt. Insbesondere Unternehmen mit einem B-Rating, die auf CCC herabgestuft werden, sehen so aus, als sei der negative Rating-Trend noch nicht unbedingt eingepreist worden. Da die CCC-Spreads am 13. April über 1.400 Basispunkte betrugen, sollten auf CCC herabgestufte B- Anleihen mit einem höheren Ausfallrisikos bepreist werden und sich ausweitende Spreads sehen.

Am anderen Ende des Spektrums der Hochzinsanleihen könnte der jüngste Schritt der US-Notenbank, ihr Mandat zu erweitern und kürzlich und in Zukunft sogenannte gefallene Engel zu kaufen, dazu beitragen, dass sich die BB-Spreads verringern. Bis Ende März waren einige wenige Großunternehmen auf Hochzinsanleihen herabgestuft worden, also zu gefallenen Engeln geworden, die im ersten Quartal Schulden in Höhe von insgesamt rund 150 Milliarden US-Dollar aufwiesen, darunter so bekannte Namen wie Ford und Macy’s. Während wir erwarten, dass ein Rekordbetrag an Schulden von Investment Grade auf Hochzinsanleihen herabgestuft wird, dürfte das Kaufprogramm der Fed eine sinnvolle Unterstützung für das höherwertige Ende der US-Hochzinsanleihen bieten.

Investitionsmöglichkeiten erfordern genaue Analysen
Auf kurze Sicht sehen Unternehmen in defensiven Sektoren wie Telekommunikation, Gesundheitswesen und in ausgewählten Technologiebereichen attraktiv aus, da sie im Verhältnis zur fundamentalen Stärke ihrer Unternehmen stark verkauft wurden. Die jüngsten Verwerfungen bedeuten, dass die Kreditkurven vieler hochverzinslicher Emittenten nun ziemlich flach oder in einigen Fällen sogar invers sind. Daher können Wertpapiere mit kürzerer Laufzeit von Fall zu Fall attraktive Möglichkeiten bieten, wenn ein Unternehmen über reichlich Liquidität verfügt und die Analyse ein geringes Ausfallrisiko ergibt.

Nicht alle Unternehmen im Hochzinssegment können unterstützt werden
Die Unterstützung durch die Zentralbanken und fiskalischen Reaktionen der Regierungen wird eine entscheidende Rolle bei der Begrenzung des Ausmaßes und der Dauer des Abschwungs spielen. Zusätzlich zu den sogenannten gefallenen Engeln hat die Fed auch hochverzinsliche ETFs in die Liste der zulässigen Instrumente aufgenommen, die sie kaufen kann. Auch wenn die Käufe im Großen und Ganzen klein sein mögen, signalisieren sie doch die Bereitschaft der Bank, US-Unternehmen mit geringerer Kreditqualität zu unterstützen.

Viele andere Regierungen haben ebenfalls Maßnahmen ergriffen: ihre Hilfsmaßnahmen helfen den Kreditnehmern und beinhalten etwa Darlehen, Steuererleichterungen und Beiträge zu den Arbeitskosten bei der Bewältigung der Kreditklemme. Leider werden selbst die von Regierungen und Zentralbanken zugesagten großzügigen Summen nicht ausreichen, um alle Unternehmen im Hochzinssektor zu unterstützen. Die Auswahl der Emittenten wird daher von entscheidender Bedeutung sein – die Identifizierung von Unternehmen, die wichtige Güter oder Dienstleistungen anbieten, und von Unternehmen, die große Arbeitgeber sind. Diese werden während der gesamten Dauer der Beschränkungen am ehesten unterstützt werden.

Einengung der Spreads erwartet
Viele schlechte Nachrichten sind bereits bei Hochzinsanleihen eingepreist worden, was attraktive Spreads und Renditen für interessierte Anleger bietet. Allerdings könnten die Spreads kurzfristig noch weiter steigen, wenn die Kontakt- und Eindämmungsmaßnahmen verlängert werden. COVID-19 hat Länder, Volkswirtschaften und Finanzmärkte in eine völlig neue Situation gebracht, und die Unsicherheit ist nach wie vor groß. Wenn jedoch die Beschränkungen in den nächsten Monaten angesichts des Niveaus der staatlichen Unterstützung aufgehoben werden können, gehen wir davon aus, dass die Märkte einen Großteil der Verluste wieder aufholen und die Spreads sich in den nächsten zwölf Monaten wieder sinnvoll verengen werden.

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(Foto: Sunita Kara
© Aviva Investors)

Quelle: fixed-income.org – Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.

30/04/20
Muzinich Marktkommentar: Auf der Suche nach Value

Der weltweite Ausverkauf festverzinslicher Anlagen im März 2020 wurde durch einen abrupten Stillstand der Wirtschaftstätigkeit aufgrund von COVID-19 ausgelöst. Die darauffolgenden Lockdown-Maßnahmen wurden durch die sinkenden Ölpreise nach der Pattsituation zwischen Saudi-Arabien und Russland weiter angeheizt. Dank beispielloser Unterstützungsmaßnahmen von Zentralbanken und Regierungen in aller Welt gelang es Ende letzten Monats, die Märkte zu stabilisieren.

Unserer Ansicht nach preisen die Spreads zwar eine tiefe Rezession für das Jahr 2020 ein, spiegeln jedoch auch eine außergewöhnliche Liquiditätsprämie wider. In der Vergangenheit wurden Anleger, die auf dem aktuellen Spread-Niveau (31. März 2020) in die US-Corporate Credit-Märkte eingestiegen sind, auf längere Sicht angemessen belohnt.

Schätzungen darüber, wie lange oder wie groß der Abschwung im Jahr 2020 sein wird, sind schwer zu treffen. Die Rezession wird kurz und schwerwiegend sein – aber wird die Erholung V-förmig oder anders verlaufen? Wir gehen davon aus, dass sie irgendwo in der Mitte liegen wird. In einem solchen Szenario ist mit höheren Ausfallquoten zu rechnen, insbesondere in der Energiebranche, die vom Rückgang der Ölpreise erheblich betroffen ist. Aber auch andere Branchen wie Fluggesellschaften, Freizeit und Glücksspiel werden aufgrund der Lockdown-Maßnahmen betroffen sein. Das Jahr 2020 wird unserer Ansicht nach auch mehr Fallen Angels bringen.

In diesem herausfordernden Umfeld glauben wir, dass nur Unternehmen mit starken Bilanzen oder der Fähigkeit, diese zu stärken, in der Lage sein werden, die wirtschaftlichen Auswirkungen des plötzlichen Wirtschaftsstopps zu verkraften und möglicherweise als Gewinner hervorgehen werden. Für die überlebenden Unternehmen erscheinen die Renditeaussichten für das Jahr 2020 und darüber hinaus angesichts der aktuellen Bewertungen günstig.

Nur aktive Manager mit der Befähigung, sowohl die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens zu analysieren als auch dessen Fähigkeit, vertraglich festgelegte Kupon- und Tilgungszahlungen zu leisten und das Ausfallrisiko zu minimieren, können unserer Ansicht nach in diesem Umfeld chancenorientiert zum Wohle der Investoren handeln.

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Abbildung:US High Yield 2020 YTD Wertentwicklungen gemäß historischem Erholungsmuster nach negativen Performances (%), Daten per 31.03.2020
Quelle: Bloomberg, US High Yield wird durch den ICE BofA ML US Cash Pay High Yield Index (J0A0) repräsentiert. Die Fondsperformance der Vergangenheit gibt keine Hinweise auf aktuelle oder künftige Wertentwicklungen. Nur für Illustrationszwecke bereitgestellt. 

Quelle: fixed-income.org – Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.

29/04/20
Anleiheninvestoren sollten Wert auf Liquidität und Qualität legen

„Die momentane Lage und der Blick auf den weiteren Jahresverlauf stellt sich für Investoren ungewöhnlich anspruchsvoll beziehungsweise herausfordernd dar. Denn für die Beurteilung der aktuellen Konjunktur- und Finanzmarktentwicklung sind traditionelle Konjunkturzyklusmodelle weiterhin nicht brauchbar. Dies liegt daran, dass die derzeitige Covid-19-Krise auf einem exogenen Schock und nicht auf langfristigen zyklischen Mustern basiert.

Die gute Nachricht ist, dass sich die Ausbreitungsdynamik von Covid-19 sich in vielen Ländern klar abzuschwächen beginnt. Es kommt zu ersten Lockerungen der Beschränkungen in der Wirtschaft. Zudem sinkt die Auslastung der Krankenhäuser und es kommt zu einer Entlastung des Gesundheitssystems. Trotz diesem positiven Trend ist derzeit enorm schwierig, die Folgen für die Konjunktur und die Finanzmärkte abzuschätzen.

Unserer Ansicht nach bestehen weiterhin große Risiken an den Finanzmärkten. Der Zusammenbruch des Erdölmarkts ist ein beispielloses Warnsignal und könnte der Vorbote für ähnliche Stresssituationen auf anderen Märkten sein. Die Handlungsfähigkeit der Zentralbanken wird hier sehr stark in Frage gestellt. Zudem wird das ganze System derzeit mit Hilfe von nie dagewesenen Liquiditätsspritzen am Leben erhalten, ohne die genauen Folgen zu kennen.

Angesichts dieses Umfelds sollten Anleiheninvestoren ihr Hauptaugenmerk aktuell auf die Kreditprofile der Unternehmen legen. Denn es gilt nun in erster Linie Ausfälle zu vermeiden und sich daher defensiv zu positionieren. Wir bevorzugen derzeit qualitativ starke Unternehmen mit geringer Verschuldung, ordentlichen Cashreserven und stabilen Cashflows. Zudem legen wir in unserer Analyse ein großes Augenmerk darauf, Unternehmen zu identifizieren, die eine mögliche zweite Abwärtswelle in der Coronavirus-Krise überleben können. Denn diese Gefahr darf nicht unterschätzt werden. Zusätzlich sind eine gute Marktliquidität der einzelnen Titel und die Vermeidung von Problemsektoren sehr wichtig. Dazu zählen unserer Meinung nach der Energie- sowie der Transportsektor. Auch der Reise- und Tourismusbereich birgt derzeit besondere Risiken.“

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(Foto: Beat Thoma
© Fisch Asset Management)

Quelle: fixed-income.org – Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.